Unser New-Work-Kolumnist verrät, wie man den aktuellen Job zum Traumjob macht: Zeit für Job Crafting!Hand aufs Herz: Haben Sie das Gefühl, dass Sie der Richtige für Ihren Job sind? Und haben Sie das Gefühl, dass Ihre täglichen Aufgaben im Job zu Ihnen passen? Kurzum: Dass Ihr Job auch der richtige für Sie ist? (Lesen Sie auch: Sie wollen produktiver werden? Dann vergessen Sie Zeitmanagement!)Studien zeigen: Zwei von drei Arbeitnehmern machen nur Dienst nach VorschriftUnser neuer Kolumnist Dr. Max Neufeind ist Arbeits- und Organisationswissenschaftler und beschäftigt sich mit der digitalen Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft© Annika NagelFalls Sie die Fragen mit “Ja” beantworten, können Sie sich wirklich glücklich schätzen: Daten des regelmäßig erhobenen “Gallup-Engagement-Index” zeigen nämlich, dass zwei von drei Arbeitnehmern in Deutschland nach eigener Aussage lediglich Dienst nach Vorschrift machen. Nur jeder sechste gibt an, mit ganzem Herzen bei der Sache zu sein. Ebenfalls jeder sechste berichtet, innerlich bereits gekündigt zu haben. Seit Jahren sind diese Umfrageergebnisse ziemlich stabil. Das Gefühl, dass der eigene Job nicht wirklich zu einem passt, ist ein wesentlicher Grund für diese Unzufriedenheit. Aber was tun, wenn man selbst nicht glücklich mit seiner Arbeitsstelle ist? “Such Dir doch einen neuen, sinnvolleren Job”, raten Freunde vielleicht. Aber das ist leichter gesagt als getan – und dürfte nur für die wenigsten eine echte Option sein, zumal in der aktuellen wirtschaftlichen Situation. (Auch interessant: Muss unsere Arbeit sinnvoll sein – und dazu auch noch Spaß machen?)Job Crafting: Eine echte Alternative zum JobwechselStatt den Job ganz zu wechseln, sollten wir unseren Traumjob lieber dort suchen, wo wir ihn vielleicht am wenigsten vermuten: in unserem aktuellen Job. Wie das gehen soll? Indem wir den Job, den wir haben, so umbauen, dass er besser zu unseren individuellen Fähigkeiten und Bedürfnissen passt: Statt passiv die Verantwortlichkeiten und Rollen zu übernehmen, die uns zugeteilt wurden, sollten wir aktiv werden und mitbestimmen, was wir tun und mit wem wir zusammenarbeiten. Die amerikanischen Management-Professorinnen Jane Dutten und Amy Wrzesniewski untersuchen genau dieses Verhalten von Mitarbeitern seit über 20 Jahren und haben einen sehr schönen Begriff dafür gefunden: Job Crafting. Wie ein Tischler, der die Teile eines Möbelstücks so lange feilt und schleift bis sie passen, nehmen Job Crafter immer wieder kleine Änderungen an ihrem Job vor, um ihn passend zu machen. Dabei kann das Job Crafting sich auf den Arbeitsinhalt, die Beziehungen zu anderen und die Bedeutung Ihrer Arbeit beziehen:Job-Crafting-Möglichkeit #1: Task CraftingTask Crafting bedeutet, das Aufgabenpaket, das Ihre Arbeit ausmacht, zu verändern: Zum Beispiel mehr Aufgaben zu übernehmen, die mit größerer Entscheidungsfreiheit einhergehen, oder sich Aufgaben anzueignen, die nicht in der formellen Stellenbeschreibung standen. So verändert sich Schritt für Schritt das Aufgabenpaket und ein neuer Job entsteht. Ein Personaler, der immer komplexere arbeitsrechtliche Fälle bearbeitet, ohne Jurist zu sein, ist ein Task Crafter. Ebenso ein Vertriebsmitarbeiter, der auf eigene Initiative als Beta-Tester jeder neuen Software fungiert, die in seiner Firma eingeführt wird.Job-Crafting-Möglichkeit #2: Relationship CraftingBeim Relationship Crafting verändern Sie, mit wem Sie bei der Arbeit interagieren. Das können Kollegen sein, aber auch Kunden und Klienten. Relationship Crafting bedeutet, die Qualität und den Umfang der Interaktionen mit anderen an Ihrem Arbeitsplatz so zu verändern, dass es besser zu Ihren Vorlieben passt. Ein Krankenpfleger, der seine Schichten so legt, dass er immer mit seinen Lieblingskollegen zusammenarbeitet, ist ein Relationship Crafter.Job-Crafting-Möglichkeit #3: Cognitive CraftingCognitive Crafting bezieht sich darauf, wie Sie Ihre Arbeit interpretieren: Sie verändern, wie Sie selbst Ihre Arbeit wahrnehmen und welche Bedeutung Sie ihr zumessen. Ein Koch, der sich nicht mehr als einfacher Arbeiter in einem Restaurant versteht, sondern als Künstler am Herd, ist ein Cognitive Crafter. (Auch interessant: Diese Eigenschaften machen einen echten Teamplayer aus – sind Sie einer?)Job Crafter sind engagierter, kreativer und leistungsfähigerIn einer ganzen Reihe von Studien wurde untersucht, wie sich Job Crafting auf Menschen auswirkt. Die Ergebnisse sind beeindruckend: Job Crafter sind zufriedener und weniger gestresst – und sie erleben deutlich mehr Sinn in ihrer Arbeit. Alles gut und schön, werden Sie jetzt vielleicht denken, aber warum sollte ein Unternehmen zulassen, dass Mitarbeiter etwas anderes tun als das, was in der Jobbeschreibung steht? Bedeutet Job Crafting nicht, dass Mitarbeiter ihre eigentlichen Aufgaben vernachlässigen? Dem kann man nur entgegenhalten: Job Crafter sind engagierter, kooperationsfreudiger, kreativer und leistungsfähiger. Sie  können besser mit organisationalen Veränderungen umgehen und messen ihrer Arbeit eine größere Bedeutung zu. Alles Dinge, auf die Unternehmen gerade in Zeiten des Wandels zwingend angewiesen sind. (Lesenswert: Was uns im Homeoffice fehlt – oder: Warum Smalltalk keine kleine Sache ist)Vorgesetzte müssen Ihre Mitarbeiter beim Job Crafting unterstützenGleichzeitig ist klar: Nur wenn Job Crafting durch das Unternehmen unterstützt wird, kann es gelingen. Vorgesetzte müssen Ihren Mitarbeitern glaubhaft signalisieren, dass sie tatsächlich die Erlaubnis haben, ihre Rolle im Team und im Unternehmen ihren Stärken und Interessen entsprechend anzupassen. Nicht im Sinne von “Such dir aus, was su machst“, sondern im Sinne von „Finde heraus, wie du am besten zum Erfolg unserer Firma beitragen kannst“. Unternehmen müssen ihren Mitarbeiter das Gefühl vermitteln, dass es ok ist, mit neuen Aufgaben und anderen Herangehensweisen zu experimentieren – und dabei auch Fehler machen zu dürfen. Und sie brauchen Freiraum zum Job Crafting: Wenn die Arbeitsbelastung zu hoch ist, es keine klaren Rollen gibt und schlichtweg immer die Zeit fehlt, ist Job Crafting zum Scheitern verurteilt. (Lesen Sie auch: “Im Badeanzug vor Gericht” – warum uns Künstliche Intelligenz nicht so schnell ersetzen wird)Job Crafting: Mit diesem 5-Punkte-Plan kann es gelingenAber auch auf den einzelnen Mitarbeiter kommt es an, wenn Job Crafting gelingen soll. Insbesondere Menschen, die hohe Eigeninitiative zeigen, gut mit anderen Menschen umgehen können, grundsätzlich an ihre Fähigkeiten glauben und ein gewisses Maß an Autonomie in ihrem Job haben, sind potentielle Job Crafter. Trifft das auf Sie zu?  Mit diesem 5-Punkte-Plan können Sie gleich jetzt mit dem Job Crafting beginnen:1Notieren Sie sich die Eigenschaften, die Sie als Ihre Stärken bezeichnen würden. Unterstreichen Sie die Eigenschaften, die Sie weiterentwickeln wollen.2Schreiben Sie eine Woche lang alle typischen Aufgaben auf, die Sie erledigen. Notieren Sie jeweils auf einer Skala von “—” bis “+++” wie viel Freude Ihnen die Aufgabe bereitet und wie gut sie zu den Stärken passt, die Sie weiterentwickeln wollen.3Führen Sie ein Gespräch mit Ihrem Vorgesetzten. Erzählen Sie ihm von den Aufgaben, die Sie besonders hoch bewertet haben. Fragen Sie, ob es in näherer Zukunft ein Projekt gibt, das vielleicht bisher nicht unbedingt in Ihren Zuständigkeitsbereich fällt, aber bei dem diese Art von Aufgabe besonders wichtig ist. Fragen Sie, ob es Kollegen gibt, die Aufgaben dieser Art loswerden wollen.4Überlegen Sie nach jeder Begegnung im Arbeitskontext, die Sie zum Lächeln gebracht hat: Was kann ich tun, damit solche Begegnungen häufiger passieren?5Lassen Sie das Auto oder Fahrrad mal stehen und laufen Sie zur Arbeit. Dabei versuchen Sie zwei Fragen so überzeugend wie irgend möglich zu beantworten: Warum würde etwas fehlen, wenn es unser Unternehmen nicht mehr gäbe? Was würde fehlen, wenn ich hier nicht mehr arbeiten würde.Selbst wenn Ihnen dieser 5-Punkte-Plan für erfolgreiches Job Crafting nicht den absoluten Traumjob einbringt, vielleicht kommen Sie dadurch zu einem Job, den Sie richtig gerne machen. Probieren Sie es aus!Unser neuer Kolumnist Dr. Max Neufeind ist Arbeits- und Organisationswissenschaftler, New-Work-Experte und beschäftigt sich mit der digitalen Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft.
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