Wir nehmen das Vorstellungsgespräch oft als eine Prüfung wahr, doch das ist falsch. Natürlich: Es gibt quasi einen “Prüfer”, aber der beurteilt uns nicht nach unserer Qualifikation, über die er ja bereits genau Bescheid weiß, sondern er beurteilt, was für ein Mensch da vor ihm sitzt – und ob wir uns gut für eine bestimmte Aufgabe eignen. Im Internet kursieren viele Informationen über die Fragen, die bei Vorstellungsgespräche mit Unternehmen oft gestellt werden. Wie so oft ist es aber gut, nochmal genauer hinzuschauen. Hier verraten wir Ihnen, welche Fragen am häufigsten gestellt werden, wie wichtig fachliche Fragen sind und auf welche Fragen Sie sich wirklich vorbereiten sollten. (Lesen Sie hier: Angst vor dem neuen Job? So gehen Sie am besten damit um)Häufig gestellte Fragen im VorstellungsgesprächDie Fragen, die in einem Vorstellungsgespräch am häufigsten auftauchen, sind immer dieselben: Warum haben Sie sich für diesen Karriereweg entschieden? Warum haben Sie sich entschieden, den Arbeitsplatz zu wechseln? Kennen Sie das Unternehmen? Warum sollten Sie hier arbeiten wollen? Was sind Ihre beruflichen Ziele? Warum sollte das Unternehmen Sie einstellen? Dies sind nur einige der am häufigsten gestellten Fragen, die ein Personalverantwortlicher dem Bewerber bei einem Auswahlgespräch stellt.“Während des Vorstellungsgesprächs muss der Personaler versuchen, den Kandidaten zu verstehen, das bedeutet seine Entscheidungen oder die Motivationen zu verstehen, die ihn zur Suche nach einer neuen Stelle bewegen. Die am häufigsten gestellten Fragen konzentrieren sich auf die Motivationsfähigkeit und die Zukunftswünsche des Kandidaten. Aber diese Fragen sind nur scheinbar trivial – und genau aus diesem Grund müssen die Antworten sehr präzise, natürlich  und auch wahrheitsgetreu sein”, erklärt Emanuele Franza, Direktor von JHunters.Der erste Tipp für Bewerber – vielleicht der offensichtlichste – ist: Seien Sie Sie selbst! Wenn sich das Unternehmen entschieden hat, einen Kandidaten zu kontaktieren, dann deshalb, weil es seinen beruflichen Werdegang bereits überprüft hat und der Meinung ist, dass er dem gesuchten Profil entsprechen könnte. Der größte Teil des Vorstellungsgesprächs wird darauf abzielen, etwas mehr über Sie zu erfahren – etwas, das Sie nicht in Ihren Lebenslauf schreiben: Es wird höchstwahrscheinlich ein Motivations- oder Eignungsgespräch sein, das darauf abzielt, Eigenschaften wie Charakter, Emotionalität, Teamfähigkeit, Führungsqualitäten oder Stressresistenz zu untersuchen. Um dies zu erreichen, können Personaler auch ungewöhnliche und unkonventionelle Fragen stellen. Seien Sie also vorbereitet. (Alle Artikel rund ums Thema Karriere lesen Sie hier)Die ungewöhnlichsten Fragen beim VorstellungsgesprächEs gibt keine allgemeingültigen Regeln für die Fragen in einem Vorstellungsgespräch: Jedes Unternehmen trifft die Auswahl auf seine eigene Art und Weise. Sicher ist, dass nach einigen  Standardfragen jeder HR-Verantwortliche, der etwas auf sich hält, versuchen wird, den Kandidaten mit ungewöhnlichen Fragen aus der Reserve zu locken. Ein Klassiker: “Was würden Sie zu mir sagen, wenn ich Sie bitten würde, die ganze Nacht hier zu arbeiten?” Denken Sie nicht einmal einen Moment darüber nach: “Ich würde meine Frau sofort anrufen und ihr sagen, sie soll nicht aufbleiben!” Eine weitere sehr beliebte Frage lautet: “Was halten Sie von Politikern?” Hier geht es darum zu sehen, wie viel Selbstbeherrschung Sie haben, also bleiben Sie ruhig: “Ich würde es für unfair halten, alle über einen Kamm zu scheren – auch wenn es in dieser Berufsgruppe sicher einige Probleme gibt.” Antworten Sie einfach und ausgewogen.Fachliche Fragen im VorstellungsgesprächEs ist wichtig, klar und offen über Ihren Bildungs- und Berufsweg zu sprechen. Aufrichtigkeit zahlt sich immer aus. Sprechen Sie also niemals schlecht über Ihre derzeitige oder letzte Arbeitsstelle – selbst wenn deren negativen Aspekte Sie zum Arbeitsplatzwechsel gedrängt haben. Sich über die Rolle, für die man sich bewirbt, bestens zu informieren, ist ein weiterer Punkt, den viele Menschen unterschätzen. Eine gute Kenntnis der Branche und des Unternehmens wird Ihnen dabei helfen, das Vorstellungsgespräch ruhiger und selbstbewusster zu führen. Außerdem ist es sehr wichtig, Ihre beruflichen Ziele klar zu formulieren. Wenn man sich nicht auf das klassische “berufliche Wachstum” beschränkt, kann sich ein Kandidat von allen anderen abheben. Vergessen wir nicht, dass “wachsen” ein weit gefasster Begriff ist, der sowohl auf professioneller als auch auf persönlicher Ebene umrissen werden kann. Und auch die detaillierte Darlegung der Gründe, warum Sie glauben, dass Sie der ideale Kandidat für die Stelle sind, oder die präzise Darlegung Ihrer Fähigkeiten können dazu beitragen, das Unternehmen zu überzeugen.Nach dem Vorstellungsgespräch gilt: Was auch immer geschieht, es wird ein Erfolg seinDenken Sie auf dem Heimweg daran, dass bei einem Vorstellungsgespräch nicht Sie persönlich oder Ihr Wert als Mensch bewertet wird, sondern lediglich, inwieweit ein Bewerber die Anforderungen einer bestimmten Stelle erfüllt – oder eben nicht. Bleiben Sie also ruhig und lächeln Sie: Auch wenn das Interview nicht so verläuft, wie Sie sich das erhofft haben, ist jedes Vorstellungsgespräch eine wertvolle Erfahrung, die für Ihre Zukunft nützlich sein wird – und Ihnen vielleicht auch hilft, besser zu verstehen, was Sie wirklich suchen.Der Artikel “Colloquio di lavoro, come affrontare le domande motivazionali” von Marco Trabucchi ist ursprünglich auf GQ.it erschienen.Mehr zum Thema:New-Work-Kolumne: “Im Badeanzug vor Gericht” – warum uns Künstliche Intelligenz nicht so schnell ersetzen wirdReich werden im Schlaf? Das ist die Schlafposition der Top-VerdienerIm Büro: Toxische Kollegen – Halten Sie sich von diesen 6 Menschen bloß fern!
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