Von Lukas Claus 28. September 2020 – 11:48 Uhr
Viele Menschen freuten sich über die zurzeit spektakulären Farbspiele am Himmel. Dass die Sonnenaufgänge und Sonnenuntergänge gerade so intensiv sind, hängt auch mit den Waldbränden in Kalifornien zusammen.

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Die Sonnenauf- und -untergänge waren in den vergangenen Wochen sehr spektakulär.

Foto: dpa/Marijan Murat

Stuttgart – In den vergangenen Wochen waren am Abendhimmel oft spektakuläre Schauspiele zu beobachten. Regelmäßig gab es sehr intensive und schöne knallrote Sonnenuntergänge, aber auch Sonnenaufgänge. Dass die Abendröte im Moment so intensiv ist, hängt auch mit den großen Waldbränden in Kalifornien zusammen. Bilder aus San Francisco, die einen komplett orange und rot gefärbten Himmel zeigten, beeindruckten und schockierten die Welt zugleich. Auch dort hängt die Farbe mit den Rauchpartikeln der Brände zusammen, aufgrund der geografischen Nähe ist der Effekt nur um ein Vielfaches stärker.

Diese Ruß- und Aschepartikel haben über die obere Troposphäre (die unterste Schicht der Erdatmosphäre) und durch Höhenwinde auch den Weg nach Deutschland gefunden. Dadurch sorgen sie nicht nur für eine Abschwächung des Sonnenlichts, sondern auch für intensive Sonnenuntergänge. Dass diese überhaupt rot sind, hängt ohnehin zum Teil mit einer Verunreinigung der Atmosphäre zusammen. Die Partikel in der Luft besäßen dabei im häufigsten Fall einen Durchmesser von 200 bis 300 Nanometern, sagt Dr. Albert Ansmann vom Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS). „Das ist bei typischem Urban Haze der Fall, also unserer selbst produzierten Umweltverschmutzung“, erklärt er. Zu diesem Urban Haze (deutsch: urbaner Dunst) tragen unter anderem Abgase bei. An diesen Partikeln streut sich dann das Sonnenlicht.

Sonnenlicht wird unterschiedlich gestreut Das Sonnenlicht ist im Normalfall weiß, da alle Teile des Farbspektrums zusammen diese Farbe ergeben. Die Wellenlängen unterscheiden sich allerdings. So ist blaues Licht kurzwellig und das rote Licht am anderen Ende des Spektrums langwellig. Kurzwelliges Licht wird an den kleinen Teilchen in der Atmosphäre aber stärker gestreut als Langwelliges. Steht die Sonne tagsüber am Himmel und hat das Licht somit einen kürzeren Weg durch die Atmosphäre, wird dabei also hauptsächlich blaues Licht gestreut. Deshalb hat der Himmel am Tag diese Farbe. Bei Sonnenaufgang und Sonnentergang muss das Licht aber einen längeren Weg zurücklegen. Dabei wird das blaue Licht „herausgestreut“ – der Himmel und die Sonne erscheinen rot.

Diese Streuung wird durch die große Anzahl an Ruß-und Aschepartikeln noch einmal verstärkt. Laut Ansmann beträgt der häufigste Durchmesser der Waldbrand-Partikel 600 bis 700 Nanometer, sie seien also deutlich größer als die Urban Haze-Partikel. „Nun sollte das Streuspektrum flacher sein, als das vom Urban Haze verursachte Streuspektrum. Dann bleiben auch gelbe und grüne Lichtanteile über und die Sonne ist keine knallrote, sondern eher eine dottergelbe Scheibe. Wird allerdings die Smoke-Suppe sehr dicht, bleiben dann doch wieder nur die Rottöne übrig“, erklärt der Physiker.

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