Die Kultusministerkonferenz hat ihre Entscheidung als “historisch” gefeiert, doch die Kritik der Verbände an der neuen Ländervereinbarung für mehr Vergleichbarkeit im Schulwesen ist hart. Historisch sei die Vereinbarung “nur in dem Sinn, dass es den Status quo einer Bildungspolitik der Fünfzigerjahre West festschreibt”, sagte die Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Marlis Tepe.Die GEW kritisierte die Entscheidung insgesamt als “Rolle rückwärts” und “schwarzen Tag für die Bildung”. “Prüfungen werden zentralisiert und normiert, Qualität soll über noch mehr Tests und Bildungsstandards gesichert und veraltete Pädagogik jetzt auch digital betrieben werden”, sagte Tepe.Die Kultusminister der Länder hatten sich am Donnerstag darauf verständigt, dass die Schulausbildung und die Abschlüsse in den kommenden Jahren deutlich vergleichbarer werden sollen. Ein wesentlicher Punkt sind die Abituraufgaben. Hier wollen sich die Länder dazu verpflichten, etwa die Hälfte der Aufgaben aus einem gemeinsamen, länderübergreifenden Pool zu entnehmen.
Die GEW vermisst aus ihrer Sicht wichtige Punkte. “Der dramatische Lehrkräftemangel – vor allem an Grundschulen, der die Bildungschancen der Kinder deutlich verschlechtert”, werde kaum erwähnt, so Tepe. Notwendig sei aber eine gemeinsame Strategie der Länder, um mehr junge Menschen für den Lehrberuf zu gewinnen.Kein Fortschritt bei der BildungsgerechtigkeitZudem kritisierte Tepe, die starke Abhängigkeit des Bildungserfolgs von der sozialen Herkunft der Kinder werde nicht in den Blick genommen.Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) hingegen attestierte der KMK, das richtige Ziel zu verfolgen: Bildungsföderalismus brauche mehr Vergleichbarkeit und qualitativ abgesicherte Standards, sagte der Vorsitzende Udo Beckmann. Allerdings mahnte der Verband ebenso wie die GEW, dass die Frage der Bildungsgerechtigkeit nicht angegangen werde, ebenso der eklatante Lehrkräftemangel.

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, zeigte sich ebenfalls nicht zufrieden, zweifelte aber vor allem daran, dass die Beschlüsse etwas bewirkten. Die KMK habe lediglich eine “Einigung auf kleinstem gemeinsamen Nenner” mit “vielen vagen Absichtserklärungen” erzielt und die “historische Chance verspielt, endlich konkret und verbindlich die Vergleichbarkeit und die Qualität im deutschen Bildungssystem sicherzustellen”.Die neue Verwaltungsvereinbarung bringe nur in wenigen Teilbereichen Fortschritte, so Meidinger. Bei wichtigen Fragen der Abschlüsse, der Schulstruktur und Lehramtsausbildung sowie der Qualitätssicherung bleibe sie aber “im Vagen und Allgemeinen”.
Icon: Der Spiegel

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