Demonstranten machen die Polizei für den Sturz eines 16-Jährigen von einer Brücke in Chiles Hauptstadt Santiago verantwortlich. Auf Videos ist zu sehen, wie der Teenager in einer Gruppe Demonstranten auf die Brücke rennt, verfolgt von Polizisten. Anschließend streckt einer der Polizisten die Arme in Richtung des 16-Jährigen aus, woraufhin er über das Geländer der mehrere Meter hohen Brücke stürzt. Die Szene ist allerdings unübersichtlich.
Weitere Aufnahmen zeigen, wie der Demonstrant anschließend in einem Fluss liegt und Helfer beginnen, ihn medizinisch zu versorgen. Der 16-Jährige wurde anschließend in eine Klinik gebracht, sein Zustand war der Nachrichtenagentur Reuters zufolge nicht kritisch. Die Staatsanwaltschaft erklärte, den Fall zu untersuchen.Die Videos des Vorfalls verbreiteten sich in Chile rasant. In dem südamerikanischen Land waren vor fast einem Jahr rund 30 Menschen bei Massenprotesten gegen die grassierende Ungleichheit gestorben. Tausende wurden verletzt oder kamen ins Gefängnis.
Rodrigo Soto, Oberstleutnant der Polizei, bestritt die Vorwürfe der Demonstranten auf Twitter. “Dieser bedauerliche Unfall ereignete sich in einem heftigen Umfeld, als Menschen festgenommen wurden”, erklärte er.
Chiles Regierung schrieb in einem Statement, eine Untersuchung des Falls angeordnet zu haben. Solange diese laufe, werde der beschuldigte Polizist vom Dienst befreit. Die Regierung verurteile alle Formen von Gewalt, unabhängig von Ursprung oder Motiv, hieß es.Bevor sich der Vorfall ereignete, hatten sich laut Reuters rund hundert Menschen im Zentrum von Santiago de Chile versammelt, um gemeinsam zu protestieren. Die Demonstration war jedoch nicht vergleichbar mit den Massenprotesten, die sich im Oktober 2019 an einer Erhöhung der U-Bahn-Preise in Santiago de Chile entzündet hatten.Die damaligen Kundgebungen und Ausschreitungen hatten sich auf das ganze Land ausgeweitet, Polizei und Militär stellten sich den Demonstranten entgegen. Die Massenproteste endeten im März mit dem Beginn der Corona-Pandemie. Experten erwarten jedoch, dass der Jahrestag der Proteste im Oktober neue Ausschreitungen befeuern könnte. Die Coronakrise hat den Graben zwischen Arm und Reich in dem Land weiter vertieft (mehr dazu lesen Sie hier).
Icon: Der Spiegel

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