In einem scharfen Appell fordert die “New York Times” die Abwahl von US-Präsident Donald Trump. Der Beitrag trägt die Überschrift “Beendet unsere nationale Krise” und stammt vom Editorial Board der Zeitung – einer Gruppe von Kommentatoren, die unabhängig vom Rest der Redaktion ist. Die Lehre aus Trumps erster Amtszeit lautet demnach: “Er kann die dringlichsten Probleme der Nation nicht lösen, weil er das dringlichste Problem der Nation ist.”Der Text kritisiert Trumps Politik der vergangenen vier Jahre ausführlich. Viele Themen werden durch begleitende Essays vertieft, darunter Trumps Klima- und Immigrationspolitik sowie sein Umgang mit der Coronakrise und den Black-Lives-Matter-Protesten. In ihrer Bewertung kommen die Autoren immer wieder zu negativen Superlativen.Trump ist demnach “ohne echte Rivalen der schlechteste amerikanische Präsident der modernen Geschichte”, “ein Mann ohne Integrität” und “seines Amtes unwürdig”.Seine mögliche Wiederwahl stelle “die größte Bedrohung der amerikanischen Demokratie seit dem Zweiten Weltkrieg” dar.Der US-Präsident sei “ein rassistischer Demagoge, der ein zunehmend diverses Land regiert; ein Isolationist in einer verbundenen Welt; ein Showman, der ewig mit Dingen prahlt, die er nie getan hat, und Dinge verspricht, die er nie tun wird.”
Schon vor Trumps Kandidatur seien die Fundamente der US-Zivilgesellschaft ins Wanken gekommen, räumen die Autoren ein. “Aber er hat die schlimmsten Tendenzen der amerikanischen Politik verstärkt. Unter seiner Führung ist die Nation polarisierter, paranoider und gemeiner geworden.”Abstumpfung durch viele SkandaleDie Empörung über immer neue Skandale um Trump könne zur Abstumpfung führen, heißt es weiter. Nun aber sei ein Moment gekommen “in dem die Amerikaner dieses Gefühl der Empörung wiederentdecken müssen”. Auch für Sympathisanten der Republikaner gelte es am 3. November, die US-Demokratie zu “erhalten, schützen und verteidigen, indem sie wählen”.

Angesichts der nahenden Wahl haben sich bereits andere Publikationen gegen Trump positioniert, darunter mehrere Wissenschaftszeitschriften. Der “Scientific American” sprach aus Protest gegen Trump die erste Wahlempfehlung seiner 175-jährigen Geschichte aus, das “New England Journal of Medicine” mischte sich nach gut 200 Jahren wieder in einen Wahlkampf ein.
Icon: Der Spiegel

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