Nach einer Geiselnahme im Gefängnis in Münster, bei der Spezialkräfte der Polizei einen Häftling erschossen haben, hat sich Nordrhein-Westfalens Justizminister Peter Biesenbach (CDU) zu dem Vorfall geäußert. “Ich bedauere den Tod des Strafgefangenen”, sagte der Politiker der Nachrichtenagentur dpa.

Er sei aber auch erleichtert über die geringen Verletzungen der 29-jährigen Bediensteten, die von dem Mann als Geisel genommen worden war. “Wir bieten ihr jegliche Hilfe an, um mit dem tragischen Vorfall fertigzuwerden”, sagte Biesenbach.Bedrohung mit einem aus einer “Rasierklinge gefertigten gefährlichen Gegenstand”Dem gewaltsamen Zugriff gingen den Ermittlern zufolge Verhandlungen über mehrere Stunden voraus. Ausgelöst wurde der Alarm um 6.20 Uhr. Drei Stunden später war der Mann tot, wie Polizei und Staatsanwaltschaft in einer gemeinsamen Pressemitteilung erklärten. Die Motive des Mannes sind weiterhin unklar. In drei Wochen wäre er freigelassen worden.

Der 40-Jährige hatte die Auszubildende am frühen Morgen überwältigt. Außerhalb der Zelle habe er sie mit einem aus einer “Rasierklinge gefertigten gefährlichen Gegenstand” bedroht, hieß es von den Behörden.Spezialisten der Polizei versuchten, mit dem Mann zu verhandeln. Dies gelang aber trotz “intensiver Kommunikationsversuche” nicht, wie es am Freitag hieß. Immer wieder habe der Häftling seiner Geisel die Klinge an den Hals gehalten und gedroht, sie zu töten. Seine Forderung: Ein Hubschrauber, um aus der JVA zu fliehen.Der 40-Jährige machte den Ermittlern zufolge einen psychisch unberechenbaren Eindruck. Die SEK-Beamten setzten bei der Befreiung der Geisel eine Schusswaffe ein. Der Täter starb noch vor Ort. Aus Neutralitätsgründen hat die Dortmunder Polizei jetzt die Ermittlungen zu diesem Schusswaffeneinsatz übernommen.

Die 29 Jahre alte Bedienstete sei körperlich nahezu unversehrt, sagte ein Ministeriumssprecher. Laut Polizei wurde sie durch die Klinge leicht am Hals verletzt.Bewährungsstrafe wegen Tritt gegen PolizistenDer 40-Jährige saß eine viermonatige Haftstrafe wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte ab. Konkret ging es um einen Tritt gegen einen Polizisten. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Münster hatte der wohnungslose und alkoholkranke Mann 2019 auf dem Gelände einer Klinik des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) randaliert. Die Pfleger riefen die Polizei. Der Mann wehrte sich und trat in Richtung eines Beamten. Das Amtsgericht verurteilte den Randalierer daraufhin zu einer Bewährungsstrafe.

Weil er in dieser Zeit den Bewährungsauflagen nicht nachkam, musste er ins Gefängnis. Warum er jetzt, kurz vor seiner Entlassung am 10. November, eine Geisel nahm, ist Teil der Ermittlungen, wie die Staatsanwaltschaft Münster erklärte. Nach Angaben des NRW-Justizministeriums wäre er am 10. November bereits wieder entlassen worden. Umso unverständlicher sei die Geiselnahme, sagte der Sprecher des Ministeriums.Die JVA Münster liegt mitten im nordöstlichen Stadtgebiet in einem Wohnbereich. Rund um das Gelände liegen enge Straßen. Bereits vor vier Jahren hatte das Gefängnis in Münster bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Der über 160 Jahre alte denkmalgeschützte Altbau musste innerhalb von 48 Stunden geräumt werden. Die nahezu 500 betroffenen Häftlinge sollten vor einem drohenden Einsturz geschützt werden. Sie wurden kurzfristig auf Gefängnisse in Nordrhein-Westfalen verteilt. Über einen Neubau gibt es schon viele Jahre lang Streit.Die SPD-Fraktion im Landtag warf nun die Frage an den Justizminister auf, “ob der bauliche Zustand der Justizvollzugsanstalt Münster die Geiselnahme begünstigt hat”. Notfalls werde man eine Sondersitzung des Rechtsausschusses beantragen, um den Fall aufzurollen.
Icon: Der Spiegel

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