Von red/AP 02. Oktober 2020 – 20:27 Uhr
Ähnlich wie der Fall George Floyd wühlt das Geschehen um Breonna Taylor die US-amerikanische Gesellschaft weiter auf. Nun werden Zeugenaussagen veröffentlicht – zu einer Festnahme wegen Taylors Tötung dürfte es aber wohl weiter nicht kommen.

Die 26-jährige Taylor wurde im März mit fünf Schüssen in ihrer Wohnung in Louisville getötet.

Foto: AFP/Jon Cherry

Louisville – Im Fall der zu Hause durch die Polizei getöteten Schwarzen Breonna Taylor hat ein US-Gericht normalerweise unter Verschluss gehaltene Unterlagen veröffentlicht. Die Polizisten im Einsatz hätten zweimal an die Tür geklopft und sich angekündigt, hieß es in am Freitag veröffentlichten Zeugenaussagen vor der sogenannten Grand Jury. Nach den tödlichen Schüssen hätten die Polizisten außerdem nicht die Durchsuchung vorgenommen, für die sie im Einsatz gewesen seien – weder Drogen noch Geld oder andere Utensilien seien aus der Wohnung sichergestellt worden.

Die Grand Jury hatte wegen Taylors Tod keine Anklage gegen die beteiligten Polizisten erhoben. Das sorgte in der Stadt Louisville, aber auch anderswo in den ganzen USA für Entsetzen und trieb die Proteste gegen Polizeigewalt und Diskriminierung von Schwarzen wieder an.

Die 26-jährige Taylor wurde im März mit fünf Schüssen in ihrer Wohnung in Louisville getötet, nachdem die Polizei mit Durchsuchungsbefehl eingedrungen war und Taylors Partner Schüsse abgegeben hatte. Dieser sagte, er habe damals nicht gewusst, dass es sich um Polizisten handelte und angenommen, jemand breche in die Wohnung ein. Der Generalstaatsanwalt hielt die Schüsse der Polizisten für gerechtfertigt, weil Taylors Freund zuerst gefeuert habe.

In dem Fall ist eine besondere Frage, ob die Polizisten sich vor der Stürmung der Wohnung ankündigten. Der Durchsuchungsbefehl war ein sogenannter „No-Knock“-Warrant wegen Drogenverdachts, bei dem Einsatzkräfte nicht klopfen müssen, bevor sie in ein Haus oder eine Wohnung gehen.

Eine Durchsuchung fand nicht statt Die Einsatzkräfte hätten geklopft, sich als Polizei angekündigt und zwischen zehn und 15 Sekunden gewartet, gab der Polizist Shawn Hoover am 13. März zu Protokoll, also am gleichen Tag, als Taylor erschossen wurde. Die Tonaufnahme wurde der Jury später vorgespielt. Danach hätten sie noch einmal geklopft, sich angekündigt und länger gewartet. „Es war also das dritte Mal, dass wir ansetzten und es waren 45 Sekunden vergangen, wenn nicht eine Minute“, sagte Hoover. „Und dann habe ich gesagt: „Auf geht’s, lasst uns reingehen.““

Ein anderer Polizeibeamter gab zu Protokoll, dass die geplante Durchsuchung letztlich nicht stattfand: „Wurden Drogen, Geld oder Utensilien in dem Apartment 4 sichergestellt? … Die Antwort ist Nein“, hieß es in der Tonaufnahme. „Sie führten den ursprünglichen Durchsuchungsbefehl nicht aus, den sie für Breonna Taylors Wohnung hatten.“ Die Grand Jury erhob in dem Fall Anklage gegen den entlassenen Polizisten Brett Hankison, weil er während des Einsatzes in ein benachbartes Apartment schoss. Dabei wurde niemand getroffen und Hankison plädierte auf nicht schuldig. Dem Generalstaatsanwalt zufolge gibt es keine Beweise dafür, dass irgendeiner von Hankisons Schüssen Taylor traf. Hankison selbst sagte aus, beim Eintreten ins Taylors Wohnung habe er gedacht, deren Partner habe mit AR-15-Sturmgewehr geschossen. Tatsächlich handelte es sich nach Polizeiangaben um eine 9-mm-Pistole. Obwohl er eine Schutzweste getragen habe, sei sein Gedanke gewesen, dass die Einsatzkräfte keine Chance gegen Taylors Freund hätten.

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