Die Coronakrise hat vor allem in den unteren Einkommensgruppen auf die Bruttoentgelte gedrückt. Die Nominallöhne lagen im zweiten Quartal des Jahres 4,0 Prozent niedriger als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt berichtet. Da gleichzeitig die Verbraucherpreise um 0,8 Prozent gestiegen sind, betrug der reale Lohnrückgang sogar 4,7 Prozent. Ein solches Minus hat es seit Beginn der Statistik im Jahr 2007 noch nie gegeben.
In den Berechnungen ist allerdings das Kurzarbeitergeld nicht erfasst, das für viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die Einkommensverluste mindestens teilweise ausgeglichen hat.In den unteren Lohngruppen für ungelernte Arbeitnehmer gingen die bezahlten Arbeitsstunden in der Jahresfrist überdurchschnittlich um 9,8 Prozent zurück, die vom Arbeitgeber bezahlten Löhne sanken um 7,4 Prozent. Für Menschen in leitender Stellung verringerte sich die Arbeitszeit im Schnitt nur um 3,0 Prozent und die Entgelte sanken nur um durchschnittlich 2,0 Prozent.
Für Vollzeitbeschäftigte sank die bezahlte Wochenarbeitszeit um 6,2 Prozent auf 36,8 Stunden. Auch hier übertraf der Einschnitt den Wert aus der Finanzkrise 2008/2009, als die Wochenarbeitszeit um 2,1 Prozent zurückgegangen war.
Die Statistiker fanden außerdem Belege für ein weiterhin bestehendes Lohngefälle zwischen West und Ost. Zwar sind von 2007 bis 2019 in den ostdeutschen Ländern die Nominallöhne mit plus 41 Prozent schneller gestiegen als im Westen, wo sie nur um 33 Prozent anzogen. Mit 41.534 Euro Bruttodurchschnittseinkommen liegen Ostvollzeitbeschäftigte aber immer noch fast ein Viertel hinter ihren Westkollegen, die im Schnitt auf 52.803 Euro kamen.
Icon: Der Spiegel

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