Heidelberg Jenseits der Region Heidelberg ist das Kürzel SRH kaum bekannt. Dabei gehört die vor mehr als 50 Jahren als „Stiftung Rehabilitation Heidelberg“ gegründete gemeinnützige Stiftung mit rund einer Milliarde Euro Umsatz zu den großen Krankenhausbetreibern in Deutschland. In diesem Markt will die SRH-Gruppe weiterwachsen, kündigt der Vorstandsvorsitzende Christof Hettich im Gespräch mit dem Handelsblatt an. Dabei setzt er, wie bereits in der Vergangenheit, weiter auf Zukäufe. Die SRH-Gruppe gehört neben der Fresenius-Tochter Helios und Sana-Kliniken zu den wenigen Krankenhausbetreibern, die in den letzten Monaten andere Kliniken übernommen haben.Die Branche steht in Deutschland seit Jahren unter Druck. Der Markt mit bundesweit mehr als 1900 Kliniken gilt in einigen Regionen als überbesetzt. Die Zahl der stationären Patienten sinkt, und eine Vielzahl regulatorischer Eingriffe belastet die Margen. Deshalb suchen immer mehr Kliniken einen starken Käufer. Die Coronakrise, die die Branche in diesem Jahr zusätzlich fordert, ändert an diesen grundsätzlichen Trends nichts, im Gegenteil: Sie verschärft die Lage für einige Anbieter sogar noch.„Der Klinikmarkt wird sich verändern. In Zukunft werden wir weniger Kliniken haben und mehr ambulante Angebote“, ist SRH-Chef Hettich überzeugt. Das hat Konsequenzen für seine Akquisitionsstrategie: Die Vernetzung der verschiedenen Angebote wird wichtiger. „Wenn wir als Klinikbetreiber ein medizinisches Cluster bilden können, um Synergien zu entwickeln, sind wir an Zukäufen interessiert – vor allem in den Regionen Baden-Württemberg und Thüringen, wo wir bereits stark vertreten sind.“SRH bekommt Margendruck zu spürenEin solches medizinisches Cluster konnte die SRH-Gruppe etwa mit dem Anfang des Jahres übernommenen insolventen Burgenlandklinikum in Sachsen-Anhalt formen. Dazu gehören zwei Krankenhäuser, eines in Naumburg und eines in Zeitz. Beide sind nah gelegen zum SRH-Klinikum im thüringischen Gera, das die sogenannte Maximalversorgung anbietet; das heißt, es verfügt über eine technische und personelle Ausstattung, die eine Behandlung nach den höchsten Anforderungen erlaubt. Dieses Krankenhaus kann dann Patienten aufnehmen, die in Naumburg und Zeitz aufgrund fehlender Ressourcen nicht behandelt werden können. Für Anschlussbehandlungen sind zwei Rehakliniken nicht weit entfernt, die die SRH-Gruppe bereits 2012 erworben hat. Insgesamt betreibt die SRH-Gruppe nun zwölf Akutkliniken, sechs Rehakliniken und 38 medizinische Versorgungszentren. Finanziell dürften Zukäufe zur Ergänzung des Klinikportfolios grundsätzlich kein Problem darstellen, meint Branchenexperte Hartmut Schmidt, Inhaber von HPS Research: „Die SRH-Stiftung zeigt eine solide Konzern- und auch Klinikbilanz mit hoher Liquidität und geringen Bankschulden.“ Die Eigenkapitalquote liegt laut Geschäftsbericht der SRH-Stiftung bei mehr als 58 Prozent.

Der Bereich Gesundheit mit den Kliniken ist die größte Säule der Stiftung: Sie trug 2019 mit 779 Millionen Euro rund 71 Prozent zum Umsatz der Stiftung bei und auch überproportional zum Ertrag. Den Druck auf die Margen im Klinikgeschäft bekam allerdings auch die SRH zu spüren: Der operative Gewinn im Klinikbereich ging um zehn Prozent auf 34,7 Millionen Euro zurück. Allerdings haben hier insbesondere Verluste bei der Klinik Sigmaringen die operative Marge gedrückt, wie Schmidt feststellt. „Gelingt hier die Restrukturierung, hat die SRH-Gruppe im Klinikbereich gute Entwicklungsperspektiven“, sagt er. Auch wenn die 1966 gegründete SRH eine gemeinnützige Stiftung bürgerlichen Rechts ist, ist Hettich der Überzeugung, dass sie wie ein privatwirtschaftliches Unternehmen agieren muss. „Wir sind von der Einstellung ein Unternehmen. Und der Leistungsgedanke muss eine Rolle spielen“, sagt er. Man habe natürlich durch die Struktur mit der Stiftung den Vorteil, steuerbegünstigt zu sein und niemandem den Gewinn abliefern zu müssen. „So können und müssen wir alles, was erwirtschaftet wird, ungeschmälert auch wieder für die Zwecke des Unternehmens verwenden“, sagt Hettich, der 2015 die Führung der Stiftung vom langjährigen Vorstandsvorsitzenden Klaus Hekking übernahm. Hettich, Jahrgang 1959, hat mit SAP-Mitgründer Dietmar Hopp und Friedrich von Bohlen, einem Neffen von Alfried Krupp, die Biotech-Beteiligungsgesellschaft Dievini Hopp gegründet, bei der er noch heute Geschäftsführer ist. Außerdem ist der promovierte Rechtsanwalt Senior Partner bei Rittershaus Rechtsanwälte. Aber, so sagt Hettich: „Meine Hauptaufgabe ist die Arbeit für die SRH.“ Deutliche Ergebniseinbußen wegen Corona erwartet In diesem Jahr erwartet der Stiftungsvorsitzende wegen der Coronakrise deutliche Ergebniseinbußen. Während die Corona-bedingten Mehrkosten und Leerstände in den Kliniken durch den staatlichen Rettungsschirm weitgehend aufgefangen werden, gibt es für die Leerstände in den Rehakliniken keine staatlichen Hilfen. „Wir haben uns die Regel gegeben, jährlich eine Ebit-Marge von fünf Prozent zu erreichen. Das erreichen wir in diesem Jahr Corona-bedingt nicht. Aber wir arbeiten daran“, so Hettich. Insgesamt wird die Stiftung nach seiner Aussage in allen drei großen Geschäftsbereichen schwarze Zahlen schreiben – neben der Gesundheit sind das berufliche Bildung mit Fachschulen und beruflichen Rehazentren sowie private Hochschulen.

Christof Hettich
Der Jurist führt die SRH-Stiftung seit 2015. Er ist überzeugt: Die Stiftung wird in diesem Jahr schwarze Zahlen schreiben – trotz Corona.

In diesen Bereichen jenseits der Kliniksparte will die Stiftung ebenfalls expandieren. So soll etwa das Portfolio der neun privaten Hochschulen für Gesundheit mit neuen Standorten im Inland und perspektivisch auch im Ausland erweitert werden. Digitale Lernkonzepte werden dabei nach Corona eine deutlich größere Rolle in der SRH-Gruppe spielen als vorher, ist sich Hettich sicher. „Auch wenn wir die Zahl der Präsenzveranstaltungen gerade wieder hochfahren, werden wir die digitalen Angebote ausbauen: Wir glauben, dass Hybridmodelle das didaktische Modell der Zukunft sind.“Bald 50 Unternehmen gehören zur SRH-Stiftung, sie zählt mehr als 15.000 Mitarbeiter und 1,2 Millionen Bildungskunden. Um die Unternehmen und Menschen in der Stiftung enger zusammenzuführen, hat die SRH einen Veränderungsprozess initiiert, an dessen Ende ein neues Leitbild stehen wird. „Alle Bereiche der Stiftung haben etwas damit zu tun, dass Menschen ein selbstbestimmtes Leben führen können. Ohne Bildung, ohne Reha, wo notwendig, oder Gesundheit ist das nur schwierig möglich“, beschreibt Hettich die gemeinsame Triebfeder der Aktivitäten.Mehr: Fresenius-Chef Stephan Sturm kritisiert die Politik: „Haben uns nur darauf konzentriert, die Zahl der Corona-Toten zu minimieren.“
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