Für einige Lehrer wird die Arbeit zur QualFoto: Maurizio Gambarini / dpa

veröffentlicht am
24.09.2020 – 11:02 Uhr

Dortmund – Bedrohungen im Internet und tätliche Angriffe: Lehrer erfahren häufiger Gewalt als noch vor zwei Jahren!Gewalt gegen Lehrer hat laut einer Umfrage unter NRW-Schulleitern in den letzten Jahren zugenommen. Wie die Lehrergewerkschaft VBE am Donnerstag mitteilte, gaben 41 Prozent der befragten Schulleitungen an, dass es in den vergangenen fünf Jahren in ihren Einrichtungen zu körperlicher Gewalt gegen Lehrkräfte kam. Zwei Jahre zuvor lag der Wert noch bei 35 Prozent. Fast zwei Drittel (64 Prozent) der Schulleiter berichteten der Gewerkschaft von Fällen psychischer Gewalt gegen Lehrkräfte –neun Prozent mehr als vor zwei Jahren. Für die VBE-Umfrage hatte das Meinungsforschungsinstitut Forsa in NRW insgesamt 264 Schulleiter allgemeinbildender Schulen befragt.Der VBE-Landesvorsitzende Stefan Behlau nannte den Anstieg „besorgniserregend“. Er lobte zwar die dauerhafte Finanzierung von 1000 Stellen in der Schulsozialarbeit. Dennoch gebe es „noch viel zu tun“.
Der VBE wies auf einen besonders auffälligen Anstieg bei Fällen von Cybergewalt hin. So hätte ein Drittel der Schulleitungen in den vergangenen fünf Jahren von Fällen erfahren, in denen Lehrer über das Internet diffamiert, belästigt, bedrängt, bedroht oder genötigt wurden. 2018 hatten das erst 17 Prozent beobachtet. „Besonders perfide am Cybermobbing ist: Es endet nicht nach Schulschluss, sondern verfolgt die Opfer 24 Stunden lang an allen Wochentagen. Und nicht immer bleibt es im digitalen Raum. Worte finden ihren Weg in die Realität, aus Worten werden manchmal Taten“, so Behlau.
Die Umfrage ergab auch, dass mittlerweile deutlich weniger Schulleiter als vor zwei Jahren glauben, dass sie ihre von Gewalt betroffenen Kollegen ausreichend unterstützen konnten. 2018 hatten das noch 88 Prozent bejaht, 2020 waren es nur noch 59 Prozent. Der VBE-Chef fordert deshalb ausreichend Lehrer, mehr Schulsozialarbeit und kleinere Klassengrößen.

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