München. Die deutsche Wirtschaft wird nach Einschätzung des Münchner Ifo-Instituts in diesem Jahr etwas weniger schrumpfen als bisher erwartet. “Der Rückgang im zweiten Quartal und die Erholung derzeit verlaufen günstiger als wir erwartet hatten”, sagte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser am Dienstag in München. Im laufenden Jahr dürfte die Wirtschaft – belastet durch die Corona-Krise – demnach um 5,2 Prozent schrumpfen. Bisher war man von einem Rückgang von 6,7 Prozent ausgegangen. Der Überschuss des Staates von 52,5 Milliarden Euro im Jahr 2019 stürzt laut dem Ifo-Institut in diesem Jahr auf minus 170,6 Milliarden, weil die Ausgaben wegen der Stützung der Wirtschaft drastisch steigen und die Einnahmen sinken. Im kommenden Jahr wird der Fehlbetrag noch 86,9 Milliarden erreichen, im übernächsten immerhin 68,4 Milliarden, so die Experten. Video Ifo: Wirtschaft schrumpft weniger als in Finanzkrise Das Bruttoinlandsprodukt dürfte in diesem Jahr um 5,2 Prozent sinken, wie die Münchner Forscher am Dienstag voraussagten.  © Reuters BIP-Rückgang geringer als in der Finanzkrise Dennoch wäre der Rückgang des Bruttoinlandsproduktes (BIP) mit 5,2 Prozent sogar geringer als in der globalen Finanzkrise im Jahr 2009, als die Wirtschaft um 5,7 Prozent eingebrochen war. Die Corona-Pandemie hat die Weltwirtschaft im ersten Halbjahr 2020 in eine tiefe Rezession gestürzt. Mit der schrittweisen Lockerung der Corona-Maßnahmen setzte laut Ifo-Institut spätestens im Sommer eine Erholung ein. Im weiteren Verlauf dürfte sich das Erholungstempo jedoch merklich verlangsamen, heißt es in der Mitteilung des Instituts. Viele Dienstleistungen unterlägen weiterhin Beschränkungen. Im Jahr 2021 erwartet man ein Wirtschaftswachstum von 5,1 Prozent und im Jahr 2022 von 1,7 Prozent. Das Vorkrisen-Niveau wird die deutsche Wirtschaft laut den Prognosen erst Ende 2021 erreichen. Steigende Arbeitslosenquote Die Vorhersagen seien jedoch mit Vorsicht zu genießen, da es weiterhin große Gefahren gebe. “Die Unsicherheit bei den Prognosen ist sehr groß, weil niemand weiß, wie die Corona-Pandemie weiter verläuft, ob es nicht doch noch einen harten Brexit gibt und ob die Handelskriege beigelegt werden”, so Wollmershäuser. Ungewiss sei auch, wie der Strukturwandel in der deutschen Autoindustrie verlaufe. Daher überwiege die Gefahr, dass die Wirtschaftsentwicklung schlechter als erwartet verlaufe. Die Zahl der Arbeitslosen wird laut Ifo-Institut von durchschnittlich 2,3 Millionen im 2019 auf 2,7 Millionen im laufenden Jahr steigen. 2021 sollte sie auf 2,6 Millionen zurückgehen und 2022 dann 2,5 Millionen betragen. Damit erhöhe sich die Arbeitslosenquote in diesem Jahr von 5,0 Prozent auf 5,9 Prozent. 2021 sinkt sie laut der Prognose auf 5,7 Prozent und im übernächsten Jahr auf 5,5 Prozent.
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