Donald Trump vor dem Ausgang des Krankenhauses

Foto: JONATHAN ERNST / REUTERS

Drei Nächte hatte Donald Trump im Militärkrankenhaus Walter Reed verbracht. Nun kehrt er ins Weiße Haus zurück – und wird dort weiter wegen seiner Covid-Erkrankung behandelt werden. In der US-Machtzentrale steht ein Krankenhaustrakt zur Verfügung.

Trump lief am frühen Montagabend (Ortszeit) aus dem Militärkrankenhaus Walter Reed nahe der US-Hauptstadt Washington, wie Fernsehbilder zeigten. Er wurde dann zu einem wartenden Hubschrauber gefahren, der ihn zurück zum Weißen Haus fliegen sollte. Dort angekommen nahm er demonstrativ seine Gesichtsmaske ab und posierte für die Fotografen. (Alle aktuellen Entwicklungen finden Sie hier.)Zudem veröffentlichte er eine Videobotschaft, die vielen Medizinern im Land wenig gefallen dürfte. Darin rief der Präsident die US-Bürger auf, “rauszugehen”. In dem Clip sagt er: “Wir kommen wieder, wir gehen wieder zur Arbeit. (…) Lasst Eure Leben nicht davon dominieren. Geht raus, seid vorsichtig.” Außerdem ließ er mitteilen, dass er rasch in den Wahlkampf zurückkehren und auch am nächsten TV-Duell mit seinem demokratischen Herausforderer Joe Biden am 15. Oktober teilnehmen wolle.

Ein weiterer Clip zeigte die Rückkehr des Politikers per Helikopter als Glamour-Video und mit bombastischer Musik unterlegt.

Zuvor hatte Trump seine bevorstehende Entlassung auf Twitter angekündigt. Dazu verschickte er verharmlosende Aussagen über das Virus, das bereits mehr als 200.000 Amerikaner das Leben gekostet hat.Er fühle sich sehr gut, ließ Trump wissen. Zudem gab er seinen Anhängern mit auf den Weg, “keine Angst” vor dem Coronavirus zu haben: “Ich fühle mich besser als vor 20 Jahren”, twitterte er. Unter seiner Regierung seien “großartige Medikamente und Kenntnisse” entwickelt worden. Zudem erklärte Trump, dass er schon bald wieder in den Wahlkampf einsteigen werde. Wie dies mit einem kranken Präsidenten, weniger als einen Monat vor der Wahl funktionieren soll, ist aber noch offen.

Trumps Arzt Sean P. Conley hatte bereits am Sonntag die Möglichkeit der baldigen Entlassung ins Gespräch gebracht. Zuvor hatte er teils widersprüchliche Angaben zu Trumps Gesundheitszustand verbreitet.

Chaotische Kommunikation zum Zustand des PräsidentenConley hatte zunächst ausweichend auf die Frage reagiert, ob der US-Präsident zumindest zeitweise eine Sauerstofftherapie gebraucht habe. Erst am Sonntag bestätigte der Arzt, dass die Sauerstoffwerte des Präsidenten am Freitagmorgen gefallen seien. Zuvor hatten mehrere US-Medien darüber berichtet. Trump sei zusätzlich mit Sauerstoff versorgt worden, so Conley. Der Präsident sei jedoch ziemlich sicher gewesen, die Therapie nicht zu brauchen.

Mit einem PR-Stunt sorgte Trump zudem am Sonntag für Aufsehen und teils harsche Kritik. Nachdem Unterstützer des Präsidenten seit Tagen immer wieder vor dem Krankenhaus zusammengekommen waren, hatte er ihnen einen Besuch abgestattet. Aus einem schwarzen SUV heraus winkte Trump seinen Fans am Sonntag in Bethesda nördlich von Washington zu, wie auf einem Video auf Twitter zu sehen war. Der Zwischenfall sorgte für massive Irritationen: Trump habe die Leibwächter, die mit ihm im Auto unterwegs waren, für seinen Auftritt einem Ansteckungsrisiko ausgesetzt.Sprecherin der Machtzentrale hat sich ebenfalls infiziertAuch auf diese Kritik hat Trump inzwischen reagiert – natürlich ebenfalls per Twitter: Er habe sich nur bei seinen Fans und Unterstützern bedanken wollen, die Stunden oder gar Tage vor dem Krankenhaus gestanden hätten. Falls er das getan hätte, hätten die Medien behauptet, er sei “unhöflich”, schrieb Trump.Neben dem Präsidenten und der First Lady Melania Trump sind zahlreiche weitere Personen aus seinem näheren Dunstkreis positiv auf das Virus getestet worden. Knapp vier Tage nach den Trumps gilt dies nun auch für die Sprecherin des Weißen Hauses, Kayleigh McEnany.Sie werde sich nach ihrem Testergebnis vom Montagmorgen in Quarantäne begeben, hieß es in einer von McEnany auf Twitter verbreiteten Mitteilung. Sie habe bislang keine Symptome, schrieb sie weiter.
Icon: Der Spiegel

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