Mittwoch, 7. Oktober, Frühstückszeit: 200 Ermittler klingelten an Haustüren kreuz und quer im Land. Sie hatten die Frankfurter DFB-Zentrale umstellt; sie durchsuchten beim Vizepräsidenten Rainer Koch, Richter im Zivilberuf. Und beim Generalsekretär Friedrich Curtius, der hilflos mit zwei Gipsarmen vor ihnen stand, weil er von einer Leiter gestürzt war.
Steuerrazzia beim DFB.Kurz darauf ließ sich der Chef, Fritz Keller, in Berlin in der Bundespressekonferenz zuschalten. Der DFB-Präsident sagte, dass er für Aufklärung sei, unbedingt, und ja, wie sehr er sich über die “staatliche Unterstützung” freue. Kein Wort der Entlastung, der Verteidigung. Es war ein Affront für die Kollegen. Und nicht der letzte.Denn am selben Abend spielte Deutschland in Köln gegen die Türkei. Was spannender war als der Kick: die Partie Keller gegen Koch, gegen Curtius und die anderen aktuellen und früheren DFB-Herren, die für den Verband Steuern hinterzogen haben sollen. Keller sollte im Stadion sitzen, erschien aber nicht; er reiste aus dem Hotel ab. Nach offizieller DFB-Lesart, weil er nach der Razzia “den Mitarbeiter(*)innen in Frankfurt zur Seite stehen” wollte. Tatsächlich aber, so erzählen es zumindest Personen aus der DFB-Delegation, mit einer Begründung, die ein Brand-Satz ist: Er lasse sich doch nicht mit Beschuldigten auf einer Tribüne ablichten.

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