Mit dem Anstieg der Corona-Infektionszahlen im Elsass stellt sich die Frage, wie Deutschland und Frankreich auch im Herbst bei der Bekämpfung der Pandemie zusammenarbeiten können. Sowohl Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) als auch sein französischer Amtskollege Olivier Véran schlossen am Dienstag bei einer Befragung der Deutsch-Französischen Parlamentarier-Versammlung nicht aus, dass sich Menschen aus Frankreich auch auf der anderen Seite des Rheins testen lassen können.Nach einer Übersicht des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) gehört das Elsass zu den Regionen in Frankreich, in denen 60 bis 119 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von zwei Wochen registriert werden. Noch stärker betroffen sind der Süden und der Nordosten Frankreichs.Das Nachbarland ist damit gegenwärtig wieder von der Pandemie stärker betroffen als Deutschland, wo die Infektionszahlen ebenfalls wieder steigen. Nach der Aufstellung des ECDC wird hierzulande im Durchschnitt die Schwelle von 59 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von 14 Tagen nicht überschritten.Zu Beginn der Pandemie waren im März die Grenzen zwischen Deutschland und Frankreich  geschlossen worden. Erst  Mitte Juni wurden die Übergänge wieder für die breite Öffentlichkeit geöffnet. Nach den Worten von Andreas Jung CDU), des Co-Vorsitzende der Deutsch-Französischen Parlamentarier-Versammlung, sei in dem Abgeordnetengremium eine große Mehrheit der Auffassung, dass es nicht erneut zu Grenzschließungen kommen dürfe.[Wenn Sie aktuelle politische Entwicklungen live auf Ihr Handy haben wollen, empfehlen wir Ihnen unsere runderneuerte App, die Sie hier für Apple- und Android-Geräte herunterladen können.]Véran erklärte, dass sich die Testkapazitäten in Frankreich und Deutschland inzwischen angeglichen hätten. In Frankreich würden inzwischen mehr als 1,2 Millionen Corona-Test pro Woche durchgeführt. Angesichts dieser Zahlen seien Tests für Franzosen in Deutschland zwar möglich, aber nicht mehr unbedingt notwendig, so Véran. In Frankreich ist allerdings eine Debatte über die Tests entbrannt. Kritisiert wurde, dass die Ergebnisse bis zu eine Woche auf sich warten lassen.In Deutschland derzeit bis zu 1,4 Millionen Tests pro WocheNach den Worten von Spahn werden in Deutschland gegenwärtig bis zu 1,4 Millionen Corona-Tests pro Woche durchgeführt. Spahn kündigte an, dass in Deutschland die PCR-Tests mit Abstrichen, die ins Labor müssen, ab Oktober verstärkt durch Antigen-Schnelltests ergänzt werden sollen. Die Schnelltests seien zwar noch nicht so zuverlässig wie die PCR-Tests. Allerdings sei ihr Einsatz für die Tests bei Reiserückkehrern und dem Pflegepersonal in Krankenhäusern sinnvoll, so Spahn.

Zurückhaltend äußerte sich der deutsche Ressortchef mit Blick auf eine mögliche Übertragung von Kompetenzen in der Gesundheitspolitik auf die EU-Ebene. Zwar müsse die EU auch im gesundheitspolitischen Bereich weltweit eine größere Souveränität erlangen. Die Schaffung neuer gesundheitspolitischer Zuständigkeiten in Brüssel solle aber nur dort erfolgen, wo dies auch einen Mehrwert bringe, forderte Spahn.  Auch in Lyon gelten jetzt striktere AuflagenIn Frankreich wurden angesichts der steigenden Infektionszahlen unterdessen zuletzt in Lyon striktere Maßnahmen verhängt. Demnach müssen in der drittgrößten Stadt Frankreichs Massenveranstaltungen auf 1000 Personen beschränkt werden. Zuvor hatte die Schwelle bei 5000 Personen gelegen. Außerdem gilt eine Empfehlung, der zufolge Treffen im Kreis der Familie oder unter Freunden auf zehn Personen begrenzt bleiben sollen. An den Öffnungszeiten von Bars und Restaurants soll sich allerdings vorerst nichts ändern.93 Patienten auf den Intensivstationen in MarseilleBesorgnis erregend ist derweil die Lage in Marseille, wo die Zahl der Infektionen in die Höhe geschnellt ist. In der Metropole am Mittelmeer füllen sich die Intensivstationen der Krankenhäuser wieder mit Covid-19-Kranken. Am Montag wurden 93 Corona-Kranke auf den Intensivstationen in den Krankenhäusern in Marseille behandelt.

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