„Der Machtmenschliche“: Stellt Laschet-Buch vor: Das Rätseln der anderen ist schon Teil 1 der Söder-Show

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder wird die Biographie über seinen Kollegen aus Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet (CDU), vorstellen. Was will der CSU-Vorsitzende damit sagen? Das Rätseln der anderen ist schon Teil 1 einer Söder-Show. Weitere folgen.

Ein Mann, ein Leben: 360 Seiten umfasst die Biographie über Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU). Seine Familie, seine Jobs, seine Aachener Familienbande, seine politische Karriere. Dass er irgendwie zugleich Arbeitersohn und Lehrerkind ist, dass er ganz kurz mal daran gedacht hat, Priester zu werden, dass seine spätere Frau ihn als Mädchen noch als „den ekelhaftesten Jungen“ überhaupt ausmachte, dass „der Armin“ nach Einschätzung alter Weggefährten „immer das Verbindende gesucht hat“ – all das ist in dem Buch nachzulesen. Höhen, Tiefen, 59 Jahre pralles Leben halt. Bei der Präsentation des Werks steht aber heute in einer Woche noch jemand anderes im Mittelpunkt: Bayerns Ministerpräsident. Markus Söder (CSU) wird in Berlin die Biografie „Der Machtmenschliche“, die Moritz Küpper und Tobias Blasius geschrieben haben, vorstellen. Der Klartext-Verlag fragte, Söder sagte zu. So einfach ist das.Machtpolitische Fingerübung für FeinschmeckerSo einfach? Wer die Beziehung der beiden auch nur ein bisschen verfolgt hat, weiß: Diese Buchvorstellung wird zur machtpolitischen Fingerübung für Feinschmecker. Denn genau diese beiden Männer, Söder und Laschet, könnten es sein, die am Ende um die Kanzlerkandidatur der Union und die Chance auf die Macht im ganzen Land konkurrieren. Wenn Laschet den Wettstreit gegen Friedrich Merz und Norbert Röttgen um den CDU-Vorsitz gewinnt, könnte es zu einem Finish zwischen den Länder-Fürsten um das wichtigste politische Amt kommen.

Laschet will im Fall der Fälle die ganze Macht. Söder betont zwar seit Monaten, dass sein Platz „definitiv“, „bestimmt“ und „sicher“ in Bayern sei. Wenn’s ernst wird, könnte er auch mit gefasster Miene verkünden: „Die Union will mich, das Land braucht mich, keiner hat aktuell so überzeugende Umfragewerte wie ich – ich mach’s.“  Vielleicht aber reicht dem Franken auch die schöne Erkenntnis, die CSU-Generalsekretär Markus Blume neulich verbreitete: „Wir wissen, dass wir’s könnten, wenn wir’s müssten – aber brauchen tun wir‘s nicht unbedingt.“ In jedem Fall genießt Söder es, dass er weiter für den Top-Job gehandelt wird.Von  „Bruderkrieg“ war die RedeDie Beziehung der beiden Männer war in den letzten Jahren – vorsichtig formuliert – ziemlich wechselhaft. Die entscheidenden Kurven im Söder-Laschet-Diagramm: Vor einigen Jahren mochten sie sich nicht sonderlich. Unter CSUlern war Laschet-Spott einige Jahre lang im Trend.  Als aber der Aachener die Macht im bevölkerungsreichsten Bundesland erkämpfte, gewann er bei den Bayern deutlich Respekt. Und so präsentierten sich die beiden gern Seite an Seite, als starke Männer auf Augenhöhe. Im März 2019 reiste Laschet zur Kabinettssitzung nach München. Man kooperierte, man posierte, man freute sich.  Genau ein Jahr später schon startete eine Serie von Fern-Fehden, von „Bruderkrieg“ war die Rede.

Vordergründig ging es um die Corona-Auflagen. Zugleich spielte immer auch die Frage der Macht in der Union rein. Söder stichelte mit Wonne gegen den Kollegen, und Laschet nahm die Auseinandersetzung an. Surftipp: Alle Statements zur Corona-Krise finden Sie im News-Ticker von FOCUS Online „Wo soll die Nummer enden?“Einige Unions-Strategen sind alarmiert. Ein Promi fragte noch im Sommer in kleinem Kreis: „Wo soll die Nummer enden?“ Denn sollte Laschet am 4. Dezember an Macht zulegen und CDU-Vorsitzender werden, dann wäre ein Autoritäts-Vorbehalt aus München wie Dauerblei an seinen Füßen. Und: Auch wenn der Aachener „nur“ Ministerpräsident bleibt, offene Zweifel an seiner Performance schaden auch dann extrem. Erst recht, wenn sie aus den eigenen Reihen kommen.Mittlerweile hat sich die Lage etwas entspannt. In den letzten Wochen gab‘s keinen frischen Stichel-Stoff. Das Verhältnis der beiden sei „besser als oft vermutet”, meldeten Eingeweihte denn auch zuletzt. Bei dem, was zuletzt vermutet wurde, war allerdings auch sehr viel Luft nach oben.Eine Beruhigung des Konflikts ist unverkennbar. Doch die öffentliche Wahrnehmung ist oft langsamer als die Politik. Misstrauen hat eine lange Halbwertzeit. Und so ist ein Exit aus der verschärften Beobachtung den beiden Männern noch nicht ganz gelungen.Söder als Zensor und ZeremonienmeisterDie Buchvorstellung in Berlin also könnte so etwas wie der Start einer neuen Phase werden.Der Beginn des ewigen Friedens zwischen den beiden gewähnten Rivalen wird das zwar wahrscheinlich nicht, vielleicht aber ein großer Schritt zur Entspannung. Dass Söder bei dem Termin in der Hauptstadt nicht nur das Buch bewertet, sondern auch eine Art Zensor-Rolle mit Blick auf Laschets Leben einnimmt, ist in der Versuchsanordnung vielleicht unvermeidlich. Das dicke Buch bietet massenhaft Stoff für nette Kommentare, süffisante Bemerkungen, ironische Spitzen, freundliche Worte, Signale der Anerkennung oder eben der Abgrenzung. Wie man’s halt mag, wie man will. Söder wäre nicht Söder, wenn er nicht neben dem Rollenfach des Zensors auch die des Zeremonienmeisters bestens ausschöpfen würde.Die Umstände, unter denen das Buch präsentiert werden, könnten allerdings Grenzen setzen. Im ganzen Land sind in den letzten Wochen die Zahlen der Corona-Infektionen deutlich angestiegen. Der Ministerpräsident im Süden hat mit einer ähnlich dramatischen Entwicklung zu kämpfen wie sein Kollege im Westen. Bei so viel Ernst das richtige Maß an Folklore zu wahren, wird da zu einer Herausforderung eigener Art.
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