Trendumkehr

Zahl der weiblichen Vorstände in Dax-Konzernen sinkt deutlich

Jahrelang stieg der Anteil von Topmanagerinnen in den Führungsetagen deutscher Dax-Konzerne. Ausgerechnet im Jahr der Coronakrise kehrt sich der Trend um.

07.10.2020, 07.33 Uhr

Microsoft-Deutschlandchefin Sabine Bendiek ist eine der wenigen Managerinnen, die bald neu in den Vorstand eines Dax-Konzerns einzieht: Sie wechselt 2021 zu SAP

Foto: Marcel Kusch / dpa

Der Frauenanteil in den Top-Etagen deutscher Börsenschwergewichte ist erstmals seit Jahren gefallen. Zum Stichtag 1. September 2020 saßen in den 30 Dax-Konzernen nur noch 23 Managerinnen im Vorstand, wie aus einer Untersuchung der gemeinnützigen Allbright Stiftung hervorgeht. Vor einem Jahr waren es noch 29 gewesen. Der Anteil weiblicher Führungskräfte im Vorstand sank von 14,7 auf 12,8 Prozent.

“Was auch immer Aufsichtsräte dazu veranlasst, in der Krise verstärkt auf Männer in den Vorständen zu setzen – es ist ein kurzsichtiger Reflex, der zeigt, wie wenig verankert die Vielfalt von Perspektiven an deutschen Unternehmensspitzen ist”, kritisierte Wiebke Ankersen, Co-Geschäftsführerin der Allbright Stiftung.

Falls Sie es genau wissen möchten

Letztlich werde der dringend notwendige Modernisierungsschub an der Spitze der Unternehmen blockiert, der im Ausland längst in vollem Gange sei, fuhr Ankersen fort. Die Entwicklung im Topmanagement deutscher Unternehmen passe nicht zum Selbstverständnis eines fortschrittlichen westlichen Industrielandes.

Im internationalen Vergleich sind die deutschen Börsenschwergewichte der Studie zufolge weiter zurückgefallen:In den USA stieg der Frauenanteil in der Top-Etage von 30 Börsenschwergewichten dagegen auf 28,6 Prozent,in Schweden auf 24,9 Prozent,in Großbritannien auf 24,5 Prozent,in Frankreich auf 22,2 Prozentund in Polen auf 15,6 Prozent.Die Zuwächse lagen zwischen 0,8 Prozent (USA) und 2,6 Prozent (Polen).”Nur wenn Frauen und Männer gemeinsam Verantwortung übernehmen, können wir in diesen herausfordernden Zeiten Erfolg haben”, schrieb EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in einem Schlusswort für die Erhebung. Die Zahlen der deutschen Unternehmen stünden im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern.

Der Studie zufolge gab es zum Stichtag elf Dax-Konzerne ohne eine einzige weibliche Führungskraft im Vorstand. Ein Jahr zuvor waren es lediglich sechs Unternehmen. In allen 30 Dax-Konzernen liegt der Frauenanteil im Vorstand demnach unter 30 Prozent.

In nur vier Unternehmen sitzen demnach mehrere Managerinnen in der Top-Etage. Dazu zählen Allianz, Daimler, die Deutsche Telekom und Fresenius Medical Care. Dagegen haben beispielsweise 97 Prozent der US-Großunternehmen und 87 Prozent der französischen Topkonzerne mindestens zwei Frauen im Vorstand.Die deutsch-schwedische Allbright Stiftung setzt sich für mehr Frauen und Diversität in den Führungspositionen der Wirtschaft ein.
Icon: Der Spiegel

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