Düsseldorf Der deutsche Leitindex notiert am Donnerstagvormittag wieder im Minus. Zuletzt lag er 0,3 Prozent tiefer bei 12.723 Punkten. Zum Handelsstart war er noch 0,6 Prozent gestiegen, gab die Gewinne aber schnell wieder ab. Am Mittwoch war er 0,5 Prozent niedriger aus dem Handel gegangen.Die Vorgaben aus den USA sind positiv: Die großen Leitindizes an der Wall Street schlossen am Mittwoch allesamt im Plus. Positive Impulse setzte dort die Aussicht auf weitere Konjunkturhilfen und eine anhaltende Erholung der Wirtschaft. Nach Gesprächen stellten die Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, und US-Finanzminister Steve Mnuchin, einen Durchbruch beim Streit um weitere wirtschaftliche Hilfen zur Abfederung der Pandemie-Folgen in Aussicht.Kaum Vorgaben gab es dagegen aus Asien: An der Tokioter Börse gab es schwere technische Probleme. Deshalb musste der Handel auch an vielen mit ihr verbundenen anderen Handelsplätzen in Japan frühzeitig eingestellt werden. Zugleich blieben die Börsen in in China und Südkorea wegen Feiertagen geschlossen. Der MSCI-Index für die asiatischen Werte ohne Japan lag etwas fester.An diesem Handelstag steht für Börsianer insbesondere die Bayer-Aktie im Fokus. Der Leverkusener Pharma- und Agrarchemiekonzern hat zusätzliche Sparmaßnahmen in Milliardenhöhe angekündigt und schließt einen weiteren Arbeitsplatzabbau nicht aus.„Um Bayer in einem anhaltend herausfordernden Marktumfeld weiter voranzubringen, hat der Vorstand beschlossen, zusätzliche operative Einsparungen in Höhe von mehr als 1,5 Milliarden Euro pro Jahr ab 2024 auf den Weg zu bringen“, teilte der Pharma- und Agrarchemiekonzern am Mittwochabend mit. Am Donnerstagmorgen reagierten die Aktien: Sie gaben zum Handelsstart um knapp elf Prozent nach.

Mit einem Kurs von zeitweise 46,56 Euro näherten sich die Papiere auf dem niedrigsten Niveau seit März dem Tiefpunkt aus dem Corona-Crash bei 44,86 Euro.Mit Stephen McGarry von der Investmentbank HSBC und Peter Verdult von der Citigroup strichen inzwischen bereits zwei Analysten ihre Kaufempfehlungen und stampften ihre Kursziele deutlich ein. Mit dem prozentual zweistelligen Abschlag am Donnerstag büßte die Bayer-Aktie seit Ende des vergangenen Jahres 35 Prozent ein. Der Titel ist damit nach MTU der zweitschwächste Dax-Titel in diesem Jahr.Insgesamt mehren sich jedoch die Hinweise auf eine anhaltende Erholung der Wirtschaft. „Für den Moment jedenfalls bleibt festzuhalten, dass die Tatsache, dass es im Dax noch einmal tiefer gegangen ist als beim ersten Rutsch Anfang September niemanden wirklich aus der Ruhe bringt“, sagte Jochen Stanzl, Analyst beim Handelshaus CMC Markets.

Zugleich kommentieren Experten der Helaba in ihrem aktuellen Tagesausblick: „Bemerkenswert ist, dass der Dax zuletzt kurz vor dem Erreichen der für den Mittelfristtrend relevanten 55-Tagelinie kehrtmachte. Damit wird einmal mehr der Eindruck untermauert, dass der Spielraum auf der Oberseite begrenzt und das Risiko auf der Unterseite weiterhin nicht zu unterschätzen ist.“Für Bangen unter den Anlegern sorgen die immer weiter steigenden Corona-Neuinfektionen. Erneut stieg deren Anzahl auf einen Höchstwert seit dem 24. April. Zugleich sank allerdings die Reproduktionszahl zuletzt unter die kritische Marke von eins.Wirtschaftliche Indikatoren zeigen indes einen vorsichtigen Aufwärtstrend. So kletterte das Barometer für die Ertragssituation der deutschen Industrie im September auf minus 32 Punkte von minus 43 im Mai, wie das Münchner Ifo-Institut am Donnerstag zu seiner zweimal jährlich durchgeführten Erhebung mitteilte. Dennoch sagte Ifo-Experte Simon Litsche: „Die Coronakrise schlägt immer noch direkt durch auf die Erträge der Industriefirmen.“ Schon vor Ausbruch der Corona-Pandemie war das Barometer während der Industrie-Rezession gesunken, und zwar auf minus 7 Punkte im September 2019 nach plus 1 im Mai 2019.Am Vormittag werden außerdem Daten zu den Einkaufsmanagerindizes des Verarbeitenden Gewerbes veröffentlicht. Vorabschätzungen in Deutschland und Frankreich haben laut Helaba-Experten positiv überrascht. Daher sei auch in Spanien und Italien mit Werten im Expansionsbereich zu rechnen.Auf staatlicher Ebene zeigen sich zunehmend die Belastungen durch die Corona-Rezession. So sind die Einnahmen aus der Gewerbesteuer stark eingebrochen und haben große Löcher in die Haushalte der deutschen Kommunen gerissen. Sie wiesen im ersten Halbjahr ein Finanzierungsdefizit von 9,7 Milliarden Euro auf, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Ein Jahr zuvor hatte das Minus lediglich 0,3 Milliarden Euro betragen.Einzelwerte im FokusBayer: Zusätzlich zu den angekündigten Sparmaßnahmen lastet ein zurückhaltender Ausblick für die Landwirtschafts-Sparte auf den Bayer-Aktien. Sie gaben am Donnerstagvormittag 10,48 Prozent nach. Bayer erwartet für das kommende Jahr „trotz erheblichen Gegenwinds durch die Covid-19-Pandemie“ besonders im Landwirtschaftssektor einen Umsatz etwa auf dem Niveau von 2020“ und ein etwas geringeres Ergebnis. Ein Händler bezeichnete den Ausblick als weitere Enttäuschung. Nachdem der Markt gehofft habe, dass mit einer zeitnahen Lösung der Roundup-Klagen die Probleme gelöst seien, zeigten sich in dem Ausblick für 2021 unerwartet tiefgreifende Schwierigkeiten.Infineon: Mit einem Plus von 6,6 Prozent war der Halbleiterhersteller am Vormittag stärkster Wert im Dax. Zuvor hatte der Konkurrent ST Microelectronics überraschend gute vorläufige Quartalszahlen vorgelegt.Deutsche Telekom: Die Aktien der Deutschen Telekom legten am Vormittag 2,7 Prozent zu und gehörten damit zu den größten Gewinnern im Dax. Die Experten von Goldman Sachs nahmen die Papiere auf ihre Empfehlungsliste auf.Airbus: Eine Hochstufung durch die Experten von Berenberg stützt Airbus-Aktien. Die Papiere legten im Frankfurter Frühhandel 2,5 Prozent zu. Die Experten von Berenberg hoben ihre Einstufung auf „Buy“ von „Hold“ und erhöhten ihr Kursziel auf 76 von 69 Euro.Covestro: Trotz einer Herabstufung durch die Experten der Credit Suisse lagen die Covestro-Aktien im Frankfurter Frühhandel 1,6 Prozent im Plus. Die Experten senkten die Papiere des Kunststoffherstellers auf „Neutral“ von „Outperform“ und reduzierten ihr Kursziel auf 46 von 51,50 Euro.

H&M: Der von der Coronakrise getroffene schwedische Modehändler Hennes & Mauritz (H&M) will sein Filialnetz ausdünnen. Im kommenden Jahr soll die Zahl der Geschäfte unter dem Strich um rund 250 schrumpfen, wie das Unternehmen am Donnerstag zur Vorlage seiner endgültigen Zahlen für das bis Ende August gelaufene dritte Geschäftsquartal bekanntgab. An der Stockholmer Börse stieg die Aktie um 6,2 Prozent und notierte zuletzt bei 164,15 Schwedischen Kronen.Mit Agenturmaterial.Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax. Aktuelle Leerverkäufe von Investoren finden Sie in unserer Datenbank zu Leerverkäufen.
Read More