Düsseldorf Nach einem deutlichen Kursrutsch am Montag startet der Dax mit einem Plus in den Handelstag am heutigen Dienstag. Am Morgen notiert der deutsche Leinindex bei 12.630 Punkten und damit 0,7 Prozent höher als am Vortag.Sein Minus kann das Börsenbarometer damit aber bei weitem noch nicht ausgleichen. Der Dax hatte am Montag 4,4 Prozent tiefer geschlossen und war deutlich unter die 13.000-Punkte-Marke auf 12.542 Zähler gerutscht. Das waren 574 Punkte weniger als der Schlussstand vom vergangenen Freitag. Damit fiel das Frankfurter Börsenbarometer auf das Niveau von Ende August zurück und entging nur knapp seinem größten Tagesverlust seit Mitte März, als die damalige Angst vor der Pandemie den Dax schwer belastet hatte.Offenbar hat die Realität die Anleger an den Börsen wieder eingeholt: Die Coronakrise ist keineswegs überwunden, steigende Infektionszahlen in vielen europäischen Ländern, allen voran in Spanien und Großbritannien, haben zu Wochenbeginn neue Sorgen über einen Konjunktureinbruch aufkommen lassen. Auch aus den USA kommen keine beruhigenden Nachrichten: Die Verhandlungen zwischen Demokraten und Republikanern über das nächste Fiskalpaket drohen am Streit über die Nachbesetzung des Postens der verstorbenen Ruth Bader Ginsburg als Richterin am Obersten Gerichtshof zu zerbrechen. Viele Investoren hatten fest damit gerechnet, dass vor der US-Präsidentenwahl im November noch neue Staatshilfen aus Washington die Wirtschaft stützen würden. Unklar ist zudem, ob der von Donald Trump angestoßene Umbau des US-Geschäfts von Tiktok tatsächlich zustande kommt. China will dem Deals mit den US-Konzernen Oracle und Walmart einem chinesischen Medienbericht zufolge nicht zustimmen. Er verletze „Chinas nationale Sicherheit, Interessen und Würde“, hieß es am Dienstag. Eine bisherige grundsätzliche Einigung sieht vor, dass das US-Geschäft von Tiktok in eine eigene Firma aufgeht, die Tiktok Global heißen soll. Unklar ist allerdings unter anderem, ob der chinesische Mutterkonzern ByteDance oder US-Konzerne die Kontrolle haben sollen. Die US-Regierung fordert den Umbau mit der Begründung, der Kurzvideodienst könne Daten an chinesische Regierungsstellen weiterleiten.pDie Börse in Schanghai lag im Tagesverlauf 0,5 Prozent im Minus. Der Index der wichtigsten Unternehmen in Schanghai und Shenzen verlor 0,3 Prozent. In Japan blieben die Handelsplätze wie am Vortag wegen eines Feiertags geschlossen.Schwankungen könnten anhaltenMarktbeobachter sind über den Rücksetzer nicht überrascht. Tagesverluste von drei Prozent sind in diesem Jahr keine Seltenheit, sondern allenfalls ein Zeichen dafür, dass Investoren nervös sind. „Da die Bewertungen infolge der Hausse in den letzten Monaten deutlich gestiegen sind und professionelle Anleger ihre hohen Portfoliopositionen bei IT-Titeln und Coronavirus-Profiteuren bisher nur wenig reduziert haben, kann ich mir vorstellen, dass die Marktschwankungen noch einige Zeit anhalten werden“, sagt Ulrich Stephan Chef-Anlagestratege Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank. Er erwartet, dass konjunktursensitive und günstige Aktiensektoren als Gewinner aus der Rotation von Tech- zu Industriewerten hervorgehen.

Stephan Heibel, Inhaber des Aktien-Analysehauses Animusx, sieht den Kursrücksetzer von Montag ebenfalls als eher vorübergehende Erscheinung: „Der Ausverkauf wird nicht lange anhalten“, sagt er. Heibl wertet die wöchentliche Handelsblatt-Umfrage unter mehr als 3.500 Anlegern aus und ermittelt daraus den Stimmungsindex Dax-Sentiment. Aus den in der vergangenen Woche erhobenen Daten liest der Experte einen mäßigen Optimismus heraus. Das Zahlenwerk zeigt eine dünne Mehrheit für die Optimisten vor den Pessimisten, wobei die neutral gestimmten Anleger die größte Gruppe bilden. Handelsimpulse finden sich am Dienstag vor allem auf Konjunkturseite. So stellt das Münchener Ifo-Institut seine Herbst-Konjunkturprognose für die deutsche Wirtschaft vor. Am Nachmittag gibt es erste Daten zum Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone im September. Erwartet wird, dass sich das Minus von 14,7 Punkten leicht auf minus 14,6 Punkte verbessert.Blick auf EinzelwerteDeutsche Bank Nach Medienberichten über Probleme internationaler Großbanken bei der Bekämpfung von Geldwäsche steht die Aktie des größten deutschen Geldhauses weiter im Fokus. Nach dem deutlichen Kursrückgang am Montag kann die Deutsche-Bank-Aktie am Montag zulegen. Es gebe ermutigende Zeichen im Privatkundengeschäft, und auch im Investmentbanking laufe es weiterhin gut, sagte Finanzchef James von Moltke am Dienstag bei einer Analystenkonferenz. Auch ihr Kostenziel in diesem Jahr zu werde die Bank wohl erreichen. Anleger reagierten positiv auf diese Nachrichten, der Aktienkurs legte um 1,4 Prozent zu. Am Montag hatte das Papier allerdings fast neun Prozent an Wert verloren.Grenke Weiterhin unter Beobachtung steht die Grenke-Aktie. Am Montag hatte Gründer Wolfgang Grenke sein Aufsichtsratsmandat niedergelegt. Aktionäre griffen am Dienstag zu, der Kurs stieg am Morgen um gut fünf Prozent. In der vergangenen Woche hatte Grenke eine regelrechte Achterbahnfahrt hingelegt. Auf zwei Kurseinbrüche (minus 20 Prozent am Dienstag, minus 40 Prozent am Mittwoch) folgte ein Zuwachs von mehr als 33 Prozent am Donnerstag. Grund für die hohen Kursverluste waren die Vorwürfe des Shortsellers Fraser Perring, Grenke soll seine Bilanzen jahrelang aufgebläht haben. Perring sieht einen „eklatanten Buchhaltungsbetrug“. Nun beauftragt der Aufsichtsrat von Grenke KPMG mit einer Sonderprüfung der Anschuldigungen.Blick auf andere AssetklassenDevisen: Der Euro kostete am Dienstag 1,1760 US-Dollar und damit in etwa so viel wie am späten Vorabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Montagnachmittag auf 1,1787 Dollar festgesetzt. Die hohe Verunsicherung an den Finanzmärkten hatte den Euro zum Wochenstart deutlich belastet. Anders als der Euro konnte der US-Dollar zuletzt zulegen. Die amerikanische Währung profitiert in Zeiten schwacher Aktienmärkte von ihrem Status als Weltreservewährung. Am Montag waren die Börsen vor allem durch steigende Corona-Neuinfektionen insbesondere in Europa verunsichert worden.Die türkische Lira hingegen setzt ihre Talfahrt fort. Vor dem in dieser Woche anstehenden Zinsentscheid der türkischen Zentralbank ziehen sich Anleger aus der Währung des Landes weiter zurück. Der Dollar steigt im Gegenzug um 0,3 Prozent auf ein Rekordhoch von 7,6492 Lira. In diesem Jahr büßte die türkische Lira bereits 22 Prozent an Wert ein. Ökonomen rechnen zwar mehrheitlich nicht damit, dass die Notenbank am Donnerstag den Leitzins anhebt. Allerdings erwarteten sie weitere Maßnahmen durch die Hintertür, um die Geldmenge zu straffen.Öl: Die Ölpreise haben am Dienstag ihre zu Wochenbeginn erlittenen Verluste leicht ausgeweitet. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 41,34 US-Dollar. Das waren zehn Cent weniger als am Montag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) sank um zwölf Cent auf 39,42 Dollar.Am Montag hatten die Rohölpreise deutlich nachgegeben. Ausschlaggebend war die allgemein schlechte Stimmung an den Finanzmärkten. Für Verunsicherung sorgten die vielerorts steigenden Corona-Neuinfektionen. Es geht die Furcht um vor weiteren größeren Corona-Beschränkungen mit harten wirtschaftlichen Folgen. Dies würde auch die ohnehin fragile Erdölnachfrage treffen.Kupfer: Der Preis für Kupfer zieht erneut an. Das Industriemetall verteuert sich am Dienstag um knapp ein Prozent auf 6753 Dollar je Tonne. „Die chinesische Nachfrage und die Verknappung der weltweiten Kupferbestände wirken sich unterstützend auf die Preise aus, sagte Lachlan Shaw, Rohstoffexperte bei der National Australia Bank. Die Sorge vor weiteren Einschränkungen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie begrenze aber den Zuwachs.

Mit Agenturmaterial.Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax. Aktuelle Leerverkäufe von Investoren finden Sie in unserer Datenbank zu Leerverkäufen.
Read More