Mitten im US-Wahlkampf haben sich Präsident Trump und First Lady Melania offenbar mit dem Coronavirus angesteckt. Sie sollen sich in Quarantäne befinden.

US-Präsident Trump und First Lady Melania Trump
Der Präsident und seine Frau wurden positiv auf das Coronavirus getestet.

(Foto: AFP)

Washington US-Präsident Donald Trump und First Lady Melania haben sich nach eigenen Angaben mit dem Coronavirus angesteckt. „Heute Nacht sind die First Lady und ich positiv auf Covid-19 getestet worden“, schrieb Trump in der Nacht zum Freitag (Ortszeit) auf Twitter. Und weiter: „Wir werden unsere Quarantäne und Erholung sofort beginnen. Wir werden das GEMEINSAM durchstehen.“ Die USA befinden sich auf der Zielgeraden zur Wahl am 3. November, bei der sich Trump um eine zweite Amtszeit bewirbt.In einer Pressemitteilung des Weißen Hauses heißt es: „Dem Präsidenten und der First Lady geht es gut, und sie planen, während ihrer Genesung zu Hause zu bleiben.“ Trumps Arzt Scott Conley teilte mit, dass das Ehepaar im Weißen Haus bleiben wolle. Die medizinische Abteilung werde „wachsam Wache halten“.„Seien Sie versichert, dass ich erwarte, dass der Präsident während der Genesung weiterhin ohne Unterbrechung seinen Pflichten nachkommen wird“, erklärte Conley. Der Arzt machte deutlich, dass dem Präsidenten und der First Lady die Unterstützung einiger der „großartigsten“ medizinischen Experten und Institutionen des Landes zur Verfügung stünden.

Das bekräftigte auch ein Sprecher des Präsidialamts am Nachmittag: Präsident Trump sei nicht arbeitsunfähig, erklärt er. Er werde von seiner Residenz aus arbeiten. Auch Vizepräsident Pence werde seine Aufgaben in seinem Wohnsitz wahrnehmen. Die Stäbe der beiden Männer würden getrennt. Das Testergebnis von Pence sei negativ.Auch die First Lady meldete sich via Twitter zu Wort: „Wie viel zu viele andere Amerikaner in diesem Jahr sind der Präsident der Vereinigten Staaten und ich in häuslicher Quarantäne, nachdem wir positiv auf Covid-19 getestet wurden. Es geht uns gut, und ich habe alle bevorstehenden Verpflichtungen abgesagt“, schrieb Melania Trump. „Passt bitte auf euch auf, und wir werden alle gemeinsam da durchkommen.“Die Infektion wirft ein Schlaglicht auf Trumps lockeren Umgang mit dem Coronavirus, der sich auch durch seine Wahlkampftournee zieht. Joe Biden, der stets Maske trägt, setzt bei seinen Besuchen im Land auf überwiegend virtuelle Veranstaltungen und schaut höchstens mal bei kleinen Unternehmen oder Feuerwehrstationen vorbei.Trump hält sogenannte „Fly in, fly out“-Events ab. Das sind Massenveranstaltungen, oft direkt am Rollfeld vor der Präsidentenmaschine Air Force One. Häufig nehmen Tausende Anhänger teil, die nicht verpflichtet sind, Masken zu tragen, und größtenteils dicht an dicht stehen. Die kommenden Wahlkampf-Termine – unter anderem Auftritte in Florida und Wisconsin – wurden nun erst einmal abgesagt.

Wahlkampf
Donald Trump vor seinen Anhängern bei einer Veranstaltung am Duluth International Airport in Duluth.

(Foto: AP)

Nicht nur in der Art ihrer Events, auch inhaltlich grenzen sich beide Kandidaten scharf ab: So beschwört Biden einen Neustart im Krisenmanagement der Pandemie. Im September überschritten die USA erstmals die Marke von 200.000 Corona-Toten, das Land zählt mehr als sieben Millionen gemeldete Infizierte.

Trump hingegen verspricht einen schnellen Impfstoff und warnt vor einem wirtschaftlichen „Zusammenbruch der USA“, sollte ein bundesweiter Lockdown verhängt werden. Ob Trumps Infektion sich akut auf den Wahlkampf, die Umfragen und den Ausgang der Wahl auswirkt, ist zu diesem Zeitpunkt unklar. Sollte er die Erkrankung gut überstehen, könnten seine Anhänger den Präsidenten als lebenden Beweis sehen, dass das Virus kaum gefährlich sei – eine Annahme, die wissenschaftlich eindeutig widerlegt ist. Pandemie „bewusst klein gehalten“Trägt er gesundheitliche Folgen davon, ist ungewiss, ob er überhaupt noch Wahlkampf machen kann. Trump gehört mit 74 Jahren zur Risikogruppe und hat einen erhöhten Body-Mass-Index, ist also übergewichtig. Alle halbe Jahre bescheinigt ihm der Arzt des Weißen Hauses aber eine insgesamt gute gesundheitliche Verfassung. In Telefonaten mit dem Enthüllungsjournalisten Bob Woodward hatte Trump eingeräumt, er habe die Risiken der Pandemie vor den Bürgern über Monate bewusst klein gehalten. „Ich wollte es immer herunterspielen. Ich spiele es immer noch gerne herunter, weil ich keine Panik erzeugen möchte.“ Lange behauptete Trump öffentlich, das Virus werde von allein verschwinden. So verglich er am 9. März in einem Tweet Covid-19 mit einer Grippe und betonte, „das öffentliche Leben und die Wirtschaft werden weitergehen“. Die Pandemie hat die größte Wirtschafts- und Gesundheitskrise in der modernen Geschichte der USA ausgelöst. Einen nationalen Lockdown und eine bundesweite Maskenpflicht lehnt Trump ab. Der US-Präsident liegt in Umfragen konstant hinter seinem demokratischen Herausforderer Joe Biden. Trump hat sein Ziel einer Wiederwahl eng an die Entwicklung einer Covid-Impfung geknüpft. Die Marktreife sei eine „Frage von Wochen“, sagte er diese Woche. Unter dem Titel „Operation Warp Speed“ finanzieren die USA mit 13 Milliarden US-Dollar die klinischen Studien mehrerer Pharmakonzerne. Ein Impfstoff wird im Weißen Haus als Schlüssel gesehen, um die Wirtschaft wiederzubeleben. Allerdings ist die praktische Umsetzung einer Massenimpfung unklar, auch gibt es bislang keinen Impfstoff mit Marktreife. Trump-Beraterin zuvor infiziertKurz vor der Nachricht von seiner eigenen Infektion hatte Trump bestätigt, dass seine enge Beraterin Hope Hicks positiv auf das Virus getestet wurde. Im Umfeld von Trump hat es schon früher Corona-Infektionen gegeben. Hicks verbringt allerdings viel Zeit mit Trump und First Lady Melania.

Hope Hicks
Noch am Dienstag hatte Hicks US-Präsident Donald Trump zum TV-Duell nach Cleveland begleitet.

(Foto: Reuters)

Die Beraterin war übereinstimmenden Medienberichten zufolge am Dienstag mit Trump in der Präsidentenmaschine Air Force One zur TV-Debatte nach Cleveland gereist, wo Trump und sein demokratischer Herausforderer Joe Biden aufeinandertrafen. Am Mittwoch reiste sie mit zu einem Wahlkampfauftritt nach Minnesota.Auf Fotos von Mittwoch war Hicks auf dem Militärflugplatz Joint Base Andrews außerhalb des Präsidenten-Helikopters Marine One in unmittelbarer Nähe von Trumps Berater und Schwiegersohn Jared Kushner zu sehen. Beide trugen keinen Mund-Nasen-Schutz. Sie war auch mit anderen Mitarbeitern des Präsidenten zusammen. Zunächst war unklar, ob sich weitere Personen aus seinem Umfeld angesteckt hatten.

Trump selbst trägt in der Öffentlichkeit meistens keine Maske. Das Weiße Haus begründete dies damit, dass der Präsident und sein Umfeld regelmäßig auf das Coronavirus getestet würden. Trumps Sprecherin Kayleigh McEnany hatte das Tragen von Masken im Juni als „persönliche Entscheidung“ bezeichnet und darauf verwiesen, dass sie regelmäßig getestet werde.Anfang Mai war bekannt geworden, dass sich die Pressesprecherin von US-Vizepräsident Mike Pence, Katie Miller, angesteckt hatte. Ende Juli wurde der Nationale Sicherheitsberater im Weißen Haus, Robert O’Brien, positiv getestet.Die Corona-Pandemie ist in den USA noch immer nicht unter Kontrolle. Mehr als 7,2 Millionen Infektionen sind seit Beginn der Pandemie nachgewiesen worden. Mehr als 207.000 Menschen starben.Mit AgenturmaterialMehr: Die aktuellen Entwicklungen lesen Sie in unserem Corona-Newsblog

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