US-Präsident Donald Trump nahm es, Brasiliens Staatschef Jair Bolsonaro auch. Nun zeigt sich: Der Malaria-Wirkstoff Hydroxychloroquin, für den die beiden Politiker im Kampf gegen Covid-19-Erkrankungen warben, hat zumindest zeitweise auch in Deutschland viele Anhänger gefunden. Das geht aus einer vorläufigen Auswertung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK für den SPIEGEL hervor.
Wurden im Februar dieses Jahres geschätzt rund 704.000 Tagesdosen Hydroxychloroquin abgegeben, waren es im März schon fast 1,06 Millionen. Damit wurde das Medikament fast 10.000 Patienten mehr verschrieben als im Monat zuvor, so die AOK-Analyse. Die Auswertung umfasst Verschreibungen durch niedergelassene Ärzte zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherungen, die durch eine Hochrechnung der AOK-Daten erfolgte. Im April und Mai sanken die Zahlen zwar wieder, blieben aber auf einem höheren Niveau als im Vorjahr. Im Juni lagen die Werte dann unter dem Durchschnitt des Vorjahres.Hydroxychloroquin ist ein Medikament, das für die Therapie von verschiedenen Erkrankungen des rheumatoiden Formenkreises sowie zur Prophylaxe und Behandlung von Malaria zugelassen ist. Seine Wirksamkeit gegen Covid-19 wurde im Frühjahr 2020 in der medizinischen Welt kontrovers diskutiert, jedoch von Donald Trump und Jair Bolsonaro propagiert. Während es in den USA unter dem politischen Druck Ende März eine „Emergency Use Authorization“ – eine Notfallzulassung – durch die Aufsichtsbehörde Food and Drug Administration (FDA) für die Behandlung von Covid-19 gab, wurde das Medikament in Europa für die Indikation Covid-19 nie zugelassen.

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