Einkaufsstraße in London: Stimmung so schlecht wie in der Finanzkrise

Foto: Victoria Jones / dpa

Die britische Industrie rechnet nicht mehr mit einer V-förmigen Erholung von der Corona-Rezession. Produktion und Auftragslage hätten sich zwar vom historischen Einbruch im Frühjahrsquartal erholt, ergab eine am Montag veröffentlichte Unternehmensumfrage des Industrieverbandes Make UK und der Wirtschaftsprüfer BDO. Der vierteljährlich ermittelte Index für die Investitionsabsichten gab allerdings erneut nach und fiel fast auf den während der Finanzkrise vor mehr als zehn Jahren markierten Tiefpunkt. “Es wird ein langer Weg zurück zu normalen Handelsbedingungen sein, wobei die Rede von einer V-förmigen Erholung nichts weiter als Fantasie ist”, sagte der Chef von Make UK, Stephen Phipson. Ökonomen sprechen von einem V-förmigen Konjunkturverlauf, wenn auf einen steilen Absturz ein ähnlich schneller Aufschwung folgt.

Denkbar ist allerdings auch, dass die schwindenden Aussichten auf einen Handelsvertrag mit der Europäischen Union nach Ende der Brexit-Übergangsperiode zur Zurückhaltung der Unternehmen beitragen. So warnte denn auch Phipson vor einem Scheitern der Verhandlungen. Das wäre für viele Betriebe der “letzte Sargnagel”, sagte er. Das Vereinigte Königreich ist Ende Januar aus der EU ausgetreten. Bis Jahresende gilt noch eine Übergangsphase, in der die künftigen Beziehungen etwa im Bereich Handel geklärt werden sollen. Gelingt keine Einigung, droht ein ungeregelter Brexit.

Die britische Wirtschaft war besonders stark von der Coronakrise erwischt worden. Das Bruttoinlandsprodukt brach im zweiten Quartal um mehr als ein Fünftel ein, während etwa die deutsche Wirtschaftsleistung mit 9,7 Prozent weniger als halb so stark schrumpfte. Auch 2020 insgesamt sieht das Bild ähnlich aus. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sagt der britischen Wirtschaft ein Minus von 10,1 Prozent voraus, der deutschen von 5,4 Prozent.
Icon: Der Spiegel

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