Der “Mund der Wahrheit” ist eine beliebte Touristenattraktion in Rom. Wer seine Hand hineinsteckt und dabei lügt, dem wird sie abgebissen – so will es die Legende. Ausgerechnet hier, auf dem Platz neben der antiken Skulptur “Bocca della Verità”, versammeln sich Anfang September wütende Italiener. Sie wollen gegen die Corona-Politik ihrer Regierung protestieren und endlich mal die Wahrheit sagen. Oder das, was sie dafür halten.
“Freiheit” und “Wir sind das Volk”, rufen die Demonstranten. “Mein Körper gehört mir”, “Nein zu Masken und Abstandsregeln”, steht auf ihren Transparenten.  Es ist ein sonniger Samstagnachmittag, die Leute haben italienische Flaggen mitgebracht, für sie ist es ein großer Moment. Monatelang gab es kaum Kritik an der Regierung in Rom – jetzt wollen sie die Stimmung auf der Straße kippen. “Unsere Demokratie ist in Gefahr”, sagt ein Redner auf der Bühne, “die Regierung hat die Zukunft unserer Kinder und Enkel geraubt”, ruft ein anderer, “basta, basta, basta”.Es soll der Beginn einer großen Protestbewegung werden. Aber nur etwa 2000 Bürgerinnen und Bürger sind gekommen; viele von ihnen stehen in großem Abstand zur Bühne und sehen sich das Spektakel mit wachsendem Befremden an. Als ein Redner Grüße von Donald Trump übermittelt und versichert, der US-Präsident denke täglich an Italien, bricht am Rand des Platzes spöttisches Gelächter aus.

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