London hat ein Problem. Denn die Straßen sind spät abends voll mit feiernden und trinkenden Menschen – weil die Pubs dann geschlossen sind. Die dürfen nur noch bis 22 Uhr öffnen, seit Premierminister Boris Johnson diese Woche neue Corona-Beschränkungen erlassen hat. Außerdem darf nur noch am Tisch bedient werden, die bisher lax gehandhabte Maskenpflicht in Geschäften wird gesetzlich vorgeschrieben. Johnson will damit etwas unternehmen gegen die stark steigenden Infektionszahlen im Land. Vor wenigen Tagen warnten britische Wissenschaftler vor 50.000 Neuinfektionen pro Tag bis Mitte Oktober, sollte der aktuelle Trend anhalten. Tobias Jackson, Barbetreiber “Heute abend hatten wir schon vier Kontrollbesuche in unseren Geschäften. Wir haben zehn Filialen in London. Allen wurde gesagt, dass wir ab 21 bis 21.30 Uhr nicht mehr bedienen dürfen. Verglichen zu vor einigen Wochen sind das 137 unserer stärksten Umsatzstunden, die einfach weg sind. Wir schätzen, dass ungefähr ein Drittel unseres Einkommens fehlen wird.”Zusammen mit einem Geschäftspartner betreibt Jackson eine Reihe von Bars, die die Covid-Richtlinien einhalten – und nun trotzdem früher schließen müssen. Thomas Kidd, Barbetreiber “Wir wissen doch, was Prohibition bewirkt. Die Leute wollen trinken und wollen etwas zusammen machen und Zeit verbringen. Indem man also diese Prohibitionssituation herstellt, treibt man die Leute hinaus aus den Läden, die Covid-Richtlinien einhalten. Läden, in denen Profis arbeiten, die wissen, wie man Menschengruppen lenkt, wie man die Leute auseinanderhält. Jetzt schickt man die Leute raus und nach Hause, wo es keine Kontrolle gibt, niemand passt auf.”Laut einer aktuellen Umfrage halten 32 Prozent Johnsons Maßnahmen für genau richtig. Weit mehr aber, nämlich 45 Prozent, gehen die Maßnahmen nicht weit genug. Tobis Jackson, Barbetreiber “Ich verstehe, dass die öffentliche Meinung die Sperrstunde weitgehend unterstützt. Aber ich glaube, die Leute verstehen nicht wirklich, dass in sechs Monaten viele ihrer Lieblingsbars, Restaurants, Pubs, Cafés pleite sein könnten.”Das britische Finanzministerium kündigte weitere staatliche Hilfen für Arbeitgeber und Angestellte an. Mit fast 42.000 Toten ist Großbritannien das Land mit den bisher meisten Corona-Opfern in Europa. 

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