Elektroroller von Brekr: B wie Brommer

Foto: Emil Nefzger / DER SPIEGEL

Der erste Eindruck: Wer hat das Moped vom Bladerunner-Filmset geklaut?
Das sagt der Hersteller: “Elektrische Motorräder und Roller sind immer noch vom Design der Verbrennermodelle geprägt”, sagt Brekr-Mitgründer Niels Willems. Dieses Schema wollte man durchbrechen und etwas bauen, das nur der Logik des E-Antriebs folgt und auf Verbrenner-Anleihen wie Pseudo-Tanks verzichtet. “Es gibt kein Bauteil, das keinen Zweck erfüllt. Gleichzeitig liegt der Schwerpunkt sehr tief, zusammen mit dem Knieschluss sorgt das für ein sicheres Fahrverhalten”, so Willems.

Das Ziel der Entwickler sei gewesen, Fahrspaß mit einer futuristischen Optik zu kombinieren. Damit sollen gezielt Kunden angesprochen werden, die aus der Masse herausstechen wollen. “Mit einem Roller ist es schwer, einzigartig zu sein”, erklärt Niels Willems. “Mit dem Model B ist das möglich.”Das ist uns aufgefallen: Das Brekr Model B ist ein Moped im besten Sinne, eine Mischung aus Fahrrad und Motorrad. Im Gegensatz zu den elektrischen Motorrollern, die in der 45-km/h-Klasse dominieren, gibt es beim Brekr keinen Durchstieg. Auf der Sitzbank des Model B sitzt man also nicht wie auf einem Stuhl, sondern wie auf einem Sattel.

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Brekr Model B: Reduziert aufs Wesentliche

Das wirkt sich auch aufs Fahrverhalten aus. Während Roller brav und spielerisch den Bewegungen des Lenkers folgen, verlangt das Brekr etwas mehr Körpereinsatz und Schräglage, wenn man zügig um Kurven und Kreisverkehre zirkeln will. Im ersten Moment des Einlenkens fühlt sich das Moped im Vergleich zu einem Roller deshalb beinahe etwas träge an, geschmeidiges Kurvenfahren braucht auf dem Model B etwas mehr Übung als auf einem Roller.Diesen Nachteil macht das Model B jedoch mehr als Wett, bereits nach wenigen Metern merkt man, dass das Moped mit einem Roller in Sachen Wendigkeit mithalten kann. Zusätzlich vereint es zwei großartige Fahreigenschaften: In Kurven fährt sich das Model B wie ein Motorrad und lässt den Fahrer eins mit der Maschine werden. Rollt man dagegen geradeaus, fühlt es sich an als fahre man auf einem Fahrrad einen nie enden wollenden Hang hinab.

Viele herkömmliche elektrische Motorroller haben gegenüber dem Brekr einen ganz praktischen Vorteil: Sie bieten einen – wenn auch oft überschaubaren – geschlossenen Laderaum. Auf ein großes Ladevolumen muss man auf dem Model B verzichten, wie bei einem waschechten Mittelmotorsportwagen von Ferrari oder Lamborghini gibt es lediglich ein kleines – hier allerdings offen ausgeführtes – Gepäckfach in der Front.Gegenüber seinen Roller-Konkurrenten hat das Brekr noch einen weiteren Nachteil: Wegen des fehlenden Durchstiegs bekommt man bei schlechtem Wetter schneller nasse und vor allem kalte Beinen.

Das Model B ist also gewissermaßen der Supersportwagen unter den Elektro-Flitzern: man tauscht auch hier Schlechtwettertauglichkeit und Gepäckraum gegen ein gutes Fahrverhalten und ein auffälliges Design ein. Allerdings mit einem feinen Unterschied: Was die Höchstgeschwindigkeit angeht, sind Moped und Roller gleich eingeschränkt, beide sind maximal 45 km/h schnell.

Das muss man wissen: Auch wenn es der Name suggeriert, es gibt kein Model A, das Model B ist das erste der niederländischen Firma. Das B steht für “Brommer”, die niederländische Bezeichnung eines Mopeds. Hätte man mit dem Model A begonnen, hätte man zuerst ein Auto bauen müssen, erklärt Mitgründer Niels Willems schmunzelnd.In den mittig angebrachten Batteriekasten passen zwei entnehmbare, je zwei Kilowattstunden fassende Stromspeicher. Serienmäßig verbaut ist jedoch nur einer, ein zweiter Akku kostet 1499 Euro Aufpreis. Doch auch mit nur einer Batterie ist das Moped alltagstauglich, die Reichweite liegt dann bei rund 50 bis 60 Kilometern, je nach Fahrweise. Beim Energiesparen helfen vier verschiedene Fahrmodi, die mit einem Knopf am rechten Lenkerende eingestellt werden. Während sich die Stufen eins bis drei durch das sportlicher werdende Ansprechverhalten des Motors unterscheiden, beschleunigt das Model B in den beiden höchsten Stufen identisch.

In der Stufe vier rekuperiert das Zweirad jedoch stark, sobald man den Gasgriff loslässt. Das funktioniert vor allem im Stadtverkehr sehr gut und konserviert wertvolle Reichweite. Das Zusammenspiel mit den kräftig zupackenden Bremsen ist jedoch etwas hakelig, spätestens nach der zehnten Ampel hat man den Dreh jedoch raus und kommt ruckelfrei zum Stehen.Dank der einstellbaren hinteren Stoßdämpfer ist man auch zu zweit komfortabel unterwegs, auch wenn die kurze Sitzbank nicht für lange Strecken taugt. Bemerkenswert ist auch der Sound, der eigens für das Moped komponiert wurde. Er bietet eine klangliche Untermalung irgendwo zwischen dem entfernten Knattern einer Cross-Maschine und einem Pod-Racer aus einem Star-Wars-Film.Diese Funktion ist vor allem in einer Situation praktisch: Wenn man vorausfahrende Radfahrer auf sich aufmerksam machen möchte, ohne ihnen durch plötzliches Hupen einen Herzinfarkt zu verpassen. Viel schöner aber ist es, sie auszuschalten und nahezu lautlos dahinzugleiten. Denn auch das fehlt dem Brekr im Vergleich zu seinen Roller-Konkurrenten: das lästige Klappern der Hartplastikteile.Das werden wir nicht vergessen: Den Tacho. Es mag banal klingen, tatsächlich sind die Displays vieler Roller zwar schön designt, dafür aber bei direkter Sonneneinstrahlung oder einem sehr hellen, komplett bewölkten Himmel kaum ablesbar. Anders beim Brekr. Die Anzeige oberhalb des Lenkers ist nicht nur übersichtlich und schick gestaltet, sie kann auch bei sehr hellem Licht dagegenhalten.
Icon: Der Spiegel

Technische Daten:

Hersteller:BrekrModell:Model BKarosserie:MopedMotor:ElektroNenndauerleistung:2,5 kWSpitzenleistung:4 kWDrehmoment:140 NmHöchstgeschwindigkeit:45 km/hGewicht:80 kgMaße:1900/750/1050Reichweite:50 kmPreis:ab 4.199 Euro

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