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Breaking News 24/24 7/7 Nachrichten Mitteilungen Österreich träumte von Normalität, doch nun wird die brutale Realität sichtbar

Breaking News 24/24 7/7 Nachrichten Mitteilungen
Österreich lockert Schritt für Schritt seine Corona-Beschränkungen. Auch der Tourismus soll langsam hochgefahren werden. Doch dabei zeigt sich, wie schwer die Branche getroffen ist. Vor allem Hoteliers haben kaum Hoffnung auf einen baldigen Aufschwung.
Überall am Neusiedler See ist das Tschilpen und Schnattern zu hören, das schilfbedeckte Gebiet bei Illmitz nahe der ungarischen Grenze ist ein Paradies für Vogelfreunde. Aber wegen der Corona-Pandemie ist wenig los an dem großen Steppensee, trotz sommerlicher Temperaturen. Nur wenige Radfahrer steigen aus der Fähre in Illmitz aus.”Heute hatten wir vielleicht 20 Kunden”, schätzt Kapitän Hermann Drescher, der Tagesausflügler von einem Ufer zum anderen bringt. Auch seine ungarische Saisonkraft hat dieses Jahr erst Anfang Mai mit der Arbeit begonnen, “zwei Wochen später als sonst”.Die Ungarin aus Sopron pendelt schon seit dreizehn Jahren in jeder Saison hin und her. Normalerweise ist um diese Jahreszeit schon viel Betrieb am See, sagt sie. Doch jetzt gehören Parkplatz und Liegewiese den Gänsen. Auch vor der Eistruhe von Verkäuferin Moni stehen nur wenige Kunden an.”Ein Drittel vom letzten Jahr”, rechnet sie vor, keine Touristen. “Es ist schlimm”, mummelt sie in ihre Schutzmaske und füllt die Waffel mit Eiskugeln “solange die Grenzen zu sind”.”Alle Firmen haben zusperren müssen”Erst ab Mitte Juni sollen nach Empfehlung der EU-Kommission wieder Besucher aus dem Ausland kommen dürfen. Die Regierung in Wien dringt seit Wochen auf Lockerungen im wichtigen Wirtschaftszweig Fremdenverkehr.”Wir werden jetzt mit Ende Mai die Beherbergung, die Hotellerie in Österreich wieder hochfahren”, kündigt die zuständige Ministerin Elisabeth Köstinger von der regierenden ÖVP an. Allerdings will man die “Zahl der Neuinfektionen im Auge behalten”, sagt die Konservative.Deshalb werden erst nur die Grenzen zu den Anrainern mit einer guten Corona-Bilanz geöffnet (Deutschland, Tschechien, Slowakei, Schweiz/Liechtenstein), die nach Italien bleiben vorerst geschlossen.Dass der Gaststätten- und Hotelbetrieb erst peu à peu hochgefahren wird, hält Markus Huber für sinnvoll. “Solange es Reisebeschränkungen gibt”, sagt der Facility-Manager, “macht nichts anderes Sinn”.Grundsätzlich findet der Tagesausflügler aus Wien richtig, dass die Regierung die Wirtschaft gut zwei Monate in den Tiefschlaf versetzt hat. Nur so könne man verhindern, dass sich das Virus weiter ausbreite. “Alle Firmen haben zusperren müssen, leider müssen auch die Hotels zu sein”, sagt er und schiebt sein Rad von der Fähre.”Alles storniert””Die Saison ist für uns gelaufen”, urteilt Otto Josef Egermann und bereitet den Espresso im Hotel “Post” selbst zu. Seine Belegschaft hat der Hotelier aus Illmitz nach Hause geschickt. Anderthalb Dutzend Angestellte leben jetzt von Arbeitslosengeld – hüben wie drüben der Grenze, Schuld daran ist die verordnete Schließung wegen der Pandemie.”Bei uns beginnt es normalerweise im April, mit den Ornithologen”, zählt der Unternehmer die Veranstaltungen auf, von denen er normalerweise lebt: Bird-Fair, Bird-Experience, “Frühlingserwachen” am Neusiedler See, Oldtimer-Rallye – “ein ganzer Haufen von Veranstaltungen im April und im Mai – die sind alle ausgefallen”.Noch im November hatte es für das Familienunternehmen nach einer guten Saison ausgesehen: Das 50-Betten-Haus im Ortskern von Illmitz sei ausgebucht gewesen. “Alles storniert”, seufzt der Hotelier, “momentan haben wir fünf Zimmer reserviert für Pfingsten.” Und der Sommer? “Man muss sehen, was da noch an Buchungen reinkommt”.Für alle Fälle steht er mit seinen Angestellten im ständigen Kontakt. Die meisten hätten schon so manche Saison in der “Post” bestritten, erzählt Egermann, “die wollen auch wieder kommen”. Die Buchungen für den Herbst sähen gut aus, da gebe es “noch keine Stornierungen”, sagt der Hotelier. Verlassen will er sich darauf aber nicht. Denn “wenn da jetzt eine zweite Corona-Welle kommt, dann wird wieder storniert.”Hoteliers klagen wegen ShutdownHotelier Egermann ist nicht allein. Österreichs Hoteliers stöhnen, mehr als ein Drittel der 4- und 5-Sternehotels hat pro Haus 700.000 Euro Verlust gemacht, rechnet die Hoteliervereinigung ÖHV vor. Mit Steuerstornos, Gastro-Gutscheinen und Geldspritzen unterstützen die Regierenden in Österreich deshalb das Gastgewerbe.Sie wissen um die Bedeutung der Branche für die Alpenrepublik, sie erwirtschaftet 16 Prozent des Bruttosozialprodukts.Wer schlecht gewirtschaftet hat, geht unterEgermann sieht den Shutdown, allerdings auch die Hilfen skeptisch. “Die Zeche zahlt am Ende die Realwirtschaft”, sagt der Marktradikale, in Form von höheren Steuern und Abgaben. In der Hotelbranche werde es wegen der Corona-Krise eine Marktbereinigung geben, glaubt Egermann.Wer schlecht gewirtschaftet hat oder viele Schulden habe, werde wohl untergehen. Ein Tal der Tränen, aber in ein, zwei Jahren werde die Krise überstanden sein. “Mit Hilfen wird es länger dauern”, glaubt er, weil Unternehmen künstlich beatmet würden.Mit neuem Service durch die KriseDie aktuelle Krise sitzt Egermann im leeren Restaurant aus. Wo sonst Hotelgäste und Familien speisen, sitzt er jetzt allein am eingedeckten Tisch und schaut durch das Fenster auf die große Kastanie im Hof. Sein Familienbetrieb habe in den vergangenen Jahren gut verdient.”Ein Jahr halten wir durch”, meint er, trotz hoher Investitionen in die Zimmerausstattung. Tausend Euro Soforthilfe hat er mitgenommen, weil das unbürokratisch war. Sonstige Hilfen? Er winkt ab. Nicht passgenau. Die Kreditzinsen seien teurer als die, die er jetzt bezahlt. Stattdessen hat er einfach die Kosten gedrückt.Die Familie selbst hat die wenigen Gäste, die ins Hotel kommen durften, betreut: Servicetechniker, die die vielen Windräder im Burgenland warten. So hat er den April überbrückt, erzählt Egermann, und mit seiner neuen Geschäftsidee. Er liefert jetzt auch Schnitzel frei Haus.”Vorher gab es das nicht im Ort”, freut er sich, “da hatten wir im Restaurant nur die Hotelgäste und Familienfeiern”. Den Lieferservice will er auch nach der Corona-Krise beibehalten. “Das wird gut angenommen”.Autor: Stephan Ozsváth*Der Beitrag “Idylle ohne Gäste – Österreich buhlt um Hotelgäste” wird veröffentlicht von Deutsche Welle. Kontakt zum Verantwortlichen hier.

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