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Breaking News 24/24 7/7 Nachrichten Mitteilungen In Krise versagt Kapitalismus: “Bald leben wir in einem neuen Wissenszeitalter”

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DLD Sync: “Virus hat uns zwei Mal gewarnt”: Warum der Kapitalismus in der Coronakrise versagt

“Die aktuelle Krise führt uns vor Augen, wo unser kapitalistisches System an seine Grenzen stößt”, sagt Albert Wenger. Der deutsch-amerikanische Risikokapitalgeber argumentiert beim DLD Sync, dass Marktmechanismen in Wissenschaft und Gesundheitswesen wichtige Innovationen ausbremsen, und fordert ein neues Zeitalter, in dem Wissen und Ideen die größten Wachstumsfaktoren sind.

In den USA wütet das Coronavirus noch verheerender als in Europa. Inzwischen sind mehr Amerikaner an Covid-19 gestorben als im Vietnamkrieg. Gleichzeitig erlebt der Arbeitsmarkt den schlimmsten Absturz in der Geschichte des Landes. Die Pandemie wird für die stolze Nation gerade zu einem Trauma. Diese historische Zäsur erlebt Albert Wenger gerade hautnah. Der deutsch-amerikanische Geschäftsmann lebt seit mehr als 20 Jahren in den USA, ist dort einer der bekanntesten Investoren und Risikokapitalgeber. Wenn der Harvard-Absolvent nicht gerade Kurse, Kennzahlen und Bilanzen analysiert, macht er sich Gedanken über den Sinn des Lebens und Wirtschaftens. Eine von Wengers Kernthesen: „Die Zeit des Kapitals ist vorbei. Wir sehen deutlicher als je zuvor, dass unser kapitalistisches System an seine Grenzen gelangt.“”Virus kam nicht aus dem Nichts. Es hat uns vorgewarnt”Das Coronavirus komme nicht aus dem Nichts, sagt Wenger auf dem DLD Sync, dem virtuellen Angebot der Digitalkonferenz DLD. „Es hat uns mit SARS und MERS zwei Mal vorgewarnt. Trotzdem waren wir auf die Pandemie überhaupt nicht vorbereitet.“ Wie konnte das passieren?Wenger argumentiert, dass der Kapitalismus Mitschuld daran trage, dass die Welt blind in diese globale Katastrophe geschlittert ist. „Der Kapitalismus war außerordentlich erfolgreich. Doch er führt dazu, dass wir den großen Problemen wie etwa dem Klimawandel oder der Vorbereitung für eine Pandemie nicht die Aufmerksamkeit schenken, die sie eigentlich benötigen würden.“ Die große Stärke des Kapitalismus, so Wenger, sei zugleich seine größte Schwäche: „Er stützt sich auf die auf den Märkten festgelegten Preise.“

Logik der Marktwirtschaft bremst Innovation ausDas Grundproblem: Die Logik der Marktwirtschaft funktioniere in vielen Bereichen unseres Lebens schlichtweg nicht, argumentiert Isabell Welpe, Leiterin des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre – Strategie und Organisation an der TU München. „Man kann eine Person bezahlen, mehr zu arbeiten, zum Beispiel mehr Schnee zu schippen. Man kann aber niemanden dafür entlohnen, kreativer zu denken oder intelligentere Ideen zu haben“, so Welpe.Vor allem in der Forschung, im Gesundheits- und Bildungswesen herrsche ein künstlich von der Politik erzeugter Wettbewerb von Leistungen, die schlichtweg nicht nach marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten messbar sind. Ein Verlust von Ideenreichtum und Innovation sei die Folge. Welpe plädiert deshalb dafür, besser zu differenzieren, welche gesellschaftlichen Aufgaben sich mit Marktmechanismen lösen lassen und welche nicht. „Ein Krankenhaus oder eine Universität zum Beispiel können nicht rein auf Profit ausgerichtet sein.“Weitere DLD Sync Talks:”Haben Wirtschaft überoptimiert”: Oxford-Ökonom fordert gravierende ÄnderungenTech-Experte prognostiziert: Amazon wird Gesundheitswesen nach Corona revolutionierenIdeen statt Kapital: Steht uns ein neues Zeitalter bevor?Die aktuelle Krise und die Tatsache, dass nahezu die ganze Welt mehr oder weniger unvorbereitet in sie hineingeschlittert ist, sei ein Weckruf, ist Wenger überzeugt. Die Krise ist eine außerordentliche Gelegenheit, darüber nachzudenken, was wir in unserem Leben brauchen und worauf wir verzichten können.“ Bislang seien 80 Prozent aller menschlicher Aktivität auf Marktgeschehen ausgerichtet. Nur bei 20 Prozent gehe es um nicht Markt bezogene Dinge wie Kunst, Wissenschaft oder die Beschäftigung mit dem persönlichen Sinn des Lebens“, sagt der Star-Investor. Den allermeisten Menschen geht es nur um zwei Dinge: Geld verdienen und Geld ausgeben.“Albert Wengers Vision ist nichts Geringeres als ein neues Zeitalter. In seinem Buch „World after Capital“ skizziert der gebürtige Deutsche eine Welt, in der das Kapital seine Bedeutung als zentraler Faktor für wirtschaftliches Wachstum verloren hat. „Ich glaube in 50 oder 100 Jahren werden wir 80 Prozent unserer menschlichen Aufmerksamkeit auf Ideen und Innovation verwenden. Wir werden in einem Zeitalter des Wissens leben“, prophezeit Wenger. Die Chancen für diesen Umbruch seien in der aktuellen Krise so gut wie nie.Der nächste DLD Sync mit der britischen Autorin Margaret Heffernan und Niki Kolev, Managing Director des Co-Working-Anbieters We Work, findet am 26. Mai um 16.00 Uhr statt. Anmelden können Sie sich hier.

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