Prozessbeginn gegen frühere Audi-Manager, VW-Hauptversammlung, Sparpläne bei Conti – für Aktionäre von Autowerten wird es ein spannender Mittwoch.Düsseldorf Wie wird sich der Dax am Mittwoch entwickeln? Die Vorzeichen deuten am Morgen auf weitere Verluste zum Handelsauftakt. Vorbörslich notierte der deutsche Aktienindex rund 0,4 Prozent im Minus. Auch die Vorgaben aus den USA sind negativ, dort schlossen die großen Indizes mit Verlusten. Asiens Börsen schicken derweil gemischte Signale in Richtung Europa.Am Dienstag war der deutsche Leitindex 0,4 Prozent schwächer bei 12.825 Zählern aus dem Frankfurter Handel gegangen. Vor allem Corona-Sorgen lasten auf den Märkten, die nach Schnäppchenkäufen und großen Zugewinnen zum Wochenauftakt vor dem zweiten Verlusttag in Folge stehen. Auch in den USA gerieten die Kurse am Dienstag vor dem ersten TV-Duell zwischen US-Präsident Donald Trump und seinem demokratischen Herausforderer Joe Biden unter Druck. Der Ausgang der US-Wahl interessiert auch die Aktienmärkte, die unter Trump mitunter entkoppelt von der realwirtschaftlichen Lage große Zuwächse verbuchen konnten. Die Debatte konnte in der Sache politische keine Klarheit bringen, die wirtschaftliche Bewertung werden sicherlich die Märkte übernehmen.In Deutschland startet in München an diesem Mittwoch ein in vielerlei Hinsicht außergewöhnlicher Strafprozess, der sich gegen vier frühere Manager der Volkswagen-Tochter Audi richtet. Erstmals müssen sich Angeklagte im Dieselskandal vor einem deutschen Strafgericht verantworten, darunter auch der frühere Audi-Vorstandsvorsitzende und Volkswagen-Vorstand Rupert Stadler.Weitere interessante Termine für Marktbeobachter der Autobranche: Volkswagen-Vorstandschef Herbert Diess steht am Dienstag bei der Hauptversammlung den Aktionären Rede und Antwort. Und beim Autozulieferer Continental stimmt heute der Aufsichtsrat über geplante Sparmaßnahmen ab.1 – Handel in den USADem US-Aktienmarkt ist am Dienstag nach einer dreitägigen Erholungsrally erst einmal der Schwung abhanden gekommen. Der Dow Jones Industrial fiel um 0,48 Prozent auf 27.452 Punkte. Der marktbreite S&P 500 verlor ebenfalls 0,48 Prozent auf 3335 Punkte. Für den technologielastigen Auswahlindex Nasdaq 100 ging es um 0,37 Prozent bergab auf 11.322 Zähler. Skeptisch aufgenommen wurde auch ein demokratischer Entwurf für ein 2,2 Billionen US-Dollar schweres Konjunkturprogramm, das am Markt weiter als schwer durchzusetzen angesehen wurde. Für neue Unsicherheit sorgte außerdem die Tatsache, dass die Zahl der weltweiten Todesopfer in der Corona-Pandemie die Millionenschwelle erreicht hat.

2 – Handel in AsienDie asiatischen Aktien haben sich am Mittwoch mit Blick auf die erste US-Präsidentschaftsdebatte durchwachsen gezeigt. Das erste Duell zwischen dem Demokraten Joe Biden und Präsident Donald Trump wurde von politischen Analysten als Trumps beste Chance gewertet, seinen in Meinungsumfragen bestehenden Rückstand aufzuholen. Ein gutes Abschneiden für Trump in der Debatte könnte die ansonsten vorsichtige Marktstimmung heben, sagte Michael McCarthy, Chefstratege bei Broker CMC Markets in Sydney.

Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index lag im Verlauf 0,1 Prozent tiefer bei 23.510 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index sank um 1 Prozent und lag bei 1641 Punkten. Positive Wirtschaftsdaten aus China hoben die Börse in Schanghai ins Plus, sie lag 0,5 Prozent höher. Der Index der wichtigsten Unternehmen in Schanghai und Shenzen gewann 0,6 Prozent.3 – Erste TV-Debatte von Trump und Biden zur PräsidentenwahlWüste Wortgefechte haben den Beginn der ersten TV-Debatte von US-Präsident Donald Trump und seinem Herausforderer. Starke Signale an die Märkte, in Form eines klaren Siegers oder schwerwiegenden Ankündigungen, dürfte die chaotische Debatte nicht senden. Die verfolgen den Wahlkampf dennoch gebannt.Experten von Goldman Sachs gehen davon aus, dass ein Wahlsieg Bidens zusammen mit der Kontrolle von US-Senat und Repräsentantenhaus durch die Demokratische Partei für die Gewinne der US-Unternehmen im Index S&P 500 leicht förderlich wäre. Zudem könnte eine Regierung unter Biden positiv für Aktien von Öko-Energie-Firmen sein. Ein Wahlsieg Trumps könnte dagegen weitere Erleichterungen für Konzerne bringen, die bereits von den Körperschaftssteuersenkungen profitiert haben. 4 – EU-Umweltminister beraten in Berlin neues KlimazielDie geplante Verschärfung des Klimaziels für 2030 beschäftigt am Mittwoch erstmals die EU-Umweltminister bei einem informellen Treffen in Berlin. Eingeladen hat Bundesumweltministern Svenja Schulze im Rahmen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft. Sie will eine Einigung der EU-Staaten und des Europaparlaments auf ein neues Ziel noch in diesem Jahr.Die EU-Kommission hatte vorgeschlagen, die Treibhausgase bis 2030 um mindestens 55 Prozent unter den Wert von 1990 zu bringen. Bisher lag das Ziel bei minus 40 Prozent. Kommission, EU-Parlament und Mitgliedsstaaten müssen nun einen Kompromiss finden. Als Bremser gelten vor allem Polen, Tschechien, Ungarn und die Slowakei. Das Europaparlament will sich kommende Woche auf eine Position festlegen. Wirtschaft und Märkte behalten im Auge, welche Konsequenzen sich darauf für Unternehmen ergeben.5 – Prozess gegen Ex-Audi-Chef Stadler beginntFünf Jahre nach der Aufdeckung des Dieselskandals beginnt die strafrechtliche Aufarbeitung vor Gericht. Der frühere Audi-Vorstandschef Rupert Stadler muss sich ab Mittwoch vor dem Landgericht München verantworten. Die Staatsanwaltschaft hat ihn und drei frühere leitende Audi-Ingenieure wegen Betrugs angeklagt.Die Ingenieure sollen mehr als 400 000 Dieselmotoren ab 2008 so manipuliert haben, dass sie Abgastests bestehen, aber auf der Straße mehr Stickoxide ausstoßen. Der Prozess findet wegen Corona unter erschwerten Bedingungen in einem großen Saal in der Justizvollzugsanstalt München-Stadelheim statt. Er soll zwei Jahre dauern, das Urteil wird Ende 2022 erwartet.6 – VW-Konzernführung steht Aktionären Rede und Antwort Coronakrise, Personalwechsel und immer noch „Dieselgate“ – der weltgrößte Autobauer Volkswagen kommt nicht recht zur Ruhe. Am Mittwoch muss Vorstandschef Herbert Diess bei der Hauptversammlung den Aktionären Rede und Antwort stehen. Für die Konzernspitze soll er erklären, was die Führungsriege vom zukünftigen Erfolg überzeugt.Corona-bedingt hatte Volkswagen die für Mai geplante Hauptversammlung verschoben und sie wie andere große Dax-Konzerne auch zu einer Online-Veranstaltung gemacht. Verkaufszahlen und die Nachfrage nach E-Autos schienen zuletzt kleine Lichtblicke zu sein. Dennoch hatte das VW-Management sich dafür entschieden, der Hauptversammlung keine üppige Erhöhung der Dividende vorzuschlagen, sondern bei der Ausschüttung wie im vergangenen Jahr zu bleiben.7 – Abstimmung über Sparmaßnahmen bei ContinentalDer Aufsichtsrat des Autozulieferers Continental stimmt am heutigen Mittwoch über geplante Sparmaßnahmen ab. Das Unternehmen sieht sich seit Bekanntwerden der Pläne harscher Kritik aus der Politik und von Gewerkschaften ausgesetzt. Unter anderem soll die Reifenproduktion in Aachen eingestellt werden, und weltweit sollen 30.000 Stellen „verändert“ werden – etwa durch Weiterbildung oder Streichung –, 13.000 davon in Deutschland.

Termine Unternehmen am 30. September9 Uhr, Deutschland, Drägerwerk, Hauptversammlung9:30 Uhr, Deutschland, Prozess gegen Ex-Audi-Chef Stadler und drei Ingenieure beginnt10 Uhr, Deutschland, Volkswagen, Hauptversammlung10 Uhr, Niederlande, Gericht verhandelt Klage im Dieselskandal gegen Daimler11 Uhr, Deutschland, Leifheit, HauptversammlungTermine Konjunktur am 30. September8 Uhr, Großbritannien, BIP Q2 (2. Veröffentlichung)8:45 Uhr, Frankreich, Erzeuger- und Verbraucherpreise 09/208:45 Uhr, Frankreich, Konsumausgaben 09/209:55 Uhr, Deutschland, Arbeitsmarktdaten 09/2011 Uhr, Euro-Zone, Verbraucherpreise 09/2011 Uhr, Italien, Verbraucherpreise 09/2014:15 Uhr, USA: ADP-Arbeitsmarktdaten (wöchentlich)14:30 Uhr, USA: BIP Q2 (dritte Veröffentlichung)15:45 Uhr, USA: MNI-Einkaufsmanagerindex Chicago 09/20Sonstige Termine9 Uhr, Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Bundestag anlässlich der Generaldebatte zum Haushalt9:15 Uhr, Konferenz „The ECB and Its Watchers”. Notenbanker, Finanzmarktteilnehmer und Wissenschaftler diskutierten die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) – voraussichtlich mit einer Rede von EZB-Präsidentin Christine Lagarde14 Uhr, Digitale Konferenz Bundesbank und International Bankers Forum (IBF) zu den Auswirkungen der Corona-Krise auf den Finanzsektor Mit Agenturmaterial.

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