Der Leichtathletik-Weltverband World Athletics hat die Wahl des ehemaligen Hammerwerfers und überführten Dopingsünders Iwan Tichon zum Präsidenten des nationalen Verbandes in Belarus scharf kritisiert. Es könne in der heutigen Zeit “niemand, der eine Dopingstrafe erhalten hat, eine offizielle Position in den Verbänden oder Strukturen von World Athletics innehaben”, sagte ein Sprecher dem Branchendienst Insidethegames.biz. Belarus wird vom Weltverband – neben Äthiopien, Kenia und der Ukraine – als Hochrisikoland für Dopingmissbrauch eingestuft.
Tichon, der 2003, 2005 und 2007 Weltmeister geworden war, ist einer der berüchtigsten Dopingsünder der Leichtathletik. Ihm ist etwa die Hälfte seiner Erfolge in loser Folge aberkannt worden, weil über Nachtests herauskam, dass er mit unerlaubten Mitteln betrogen hat. So verlor er unter anderem den WM-Titel 2005 und EM-Gold 2006 wegen Testosteron-Missbrauchs, Olympia-Silber 2004 wegen Steroid-Dopings.Schon Tichons Vorgänger war überführter DoperAuch bei seinem Olympia-Bronzegewinn 2008 wurde er des Dopings mit Testosteron überführt, der Internationale Sportgerichtshof Cas kassierte aber seine Disqualifikation wegen einer Laborpanne. Aus den Startlisten von Olympia 2012 wurde er nach Bekanntwerden positiver Tests gestrichen. 2016 durfte er in Rio de Janeiro aber erneut wieder starten – und gewann erneut Olympia-Silber. Laut “Insidethegames” plant er trotz seiner neuen Funktion im Verband auch, bei den ins kommende Jahr verlegten Olympischen Spielen in Tokio 2021 zu starten.

Tichon wurde am Sonntag gewählt und folgt als Präsident auf Vadim Devyatovskiy, der selbst ebenfalls als aktiver Hammerwerfer eine Dopingvergangenheit mit mehreren Positivtests und Disqualifikationen hat. Unter anderem wurde Devyatovskiy die Olympia-Silbermedaille 2008 in Peking aberkannt – jenem Wettkampf, von dem auch Tichon nachträglich disqualifiziert wurde.
Icon: Der Spiegel

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