Der Autobauer will in Stuttgart Untertürkheim jede fünfte Stelle streichen. Im Gegenzug könnte am Standort eine Batteriezellproduktion entstehen.

Daimler-Werk in Untertürkheim
Die Coronakrise sorgt für tiefrote Zahlen bei Daimler und zwingt den Autobauer zur Verschärfung seines sowieso geplanten Sparkurses.

(Foto: dpa)

Stuttgart Die Betriebsräte von Daimler in Stuttgart-Untertürkheim sind entsetzt. Das Management des Autobauers habe sie in den vergangenen Tagen mit einem „Katalog voller Provokationen“ konfrontiert, heißt es in einem Flugblatt der Arbeitnehmervertreter an die Belegschaft am Standort, das dem Handelsblatt vorliegt. „Das Ende vom Lied: Bis 2025 sollen bei uns 4000 Beschäftigte weniger an Bord sein – vereinbarte Produkte werden in Frage gestellt“, schreiben die Betriebsräte. Dass Daimler seine Personalkosten um zwei Milliarden Euro pro Jahr senken will und dafür mehr als 20.000 der weltweit 300.000 Stellen streicht, ist schon länger bekannt. Jetzt werden die Einschnitte aber auf die einzelnen Standorte runtergebrochen – und das Stammwerk des Dax-Konzerns dürfte es besonders hart treffen. Denn in Untertürkheim arbeiten 19.000 Beschäftigte. Ein Abbau von 4000 Stellen entspräche hier einer Personalreduktion von 21 Prozent. Die Pläne des örtlichen Managements um Standortleiter Frank Deiß kämen so „nicht in Frage“, poltern die Betriebsräte. Ihr Kampf steht exemplarisch für den Strukturbruch in der gesamten Autoindustrie. Schließlich ist Untertürkheim wie kaum eine andere deutsche Autofabrik vom Verbrenner abhängig. Alleine 11.000 Frauen und Männer produzieren hier in sechs Werksteilen entlang des Neckars Motoren, Getriebe und Achsen samt Gussteilen. „Aussterbendes Gewerbe“, nennen Mercedes-Manager das hinter vorgehaltener Hand. Im Zuge des Hochlaufs der Elektromobilität würden viele der alten Jobs obsolet – und allzu viele neue Aufgaben sollen nicht hinzukommen, heißt es in Konzernkreisen. Die Arbeitskosten in Deutschland halten viele Manager schlichtweg für zu hoch. „Geht es nach der Standortleitung, dann sollen die anderen Powertrain-Standorte im Ausland stärker ausgelastet werden als Untertürkheim“, warnen die Betriebsräte. Sie fühlen sich als Repräsentanten des sogenannten Leitwerks im Verbund der Antriebsfabriken von Mercedes hintergangen. Dass Untertürkheim zugleich zum Entwicklungs- und Befähigungsstandort für Elektromobilität umgebaut werden soll, ist für viele Arbeitnehmervertreter nur ein schwacher Trost. Sie begrüßen zwar, dass in Stuttgart ein „eCampus“ entstehen soll und Daimler sogar erwägt, in die Batteriezellproduktion im Neckartal einzusteigen, aber viele Arbeitsplätze würde das vermutlich nicht bringen. So oder so dürfte Untertürkheim damit schrumpfen. Unklar ist lediglich, wie groß die personellen Einschnitte am Ende wirklich ausfallen.

Die Gespräche zum Personalabbau haben gerade erst begonnen. In den nächsten Wochen verhandeln Management und Betriebsräte weiter. Daimler selbst nennt keine konkreten Abbauzahlen. Der Handlungsdruck ist freilich groß. Im zweiten Quartal fuhr der Konzern einen Verlust von fast zwei Milliarden Euro ein. Mehr: Milliarden-Vergleich: Daimler legt Diesel-Verfahren in den USA bei

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