“Soutien total aux professeurs” (Volle Unterstützung für unsere Lehrer) steht auf dieser Solidaritätsnote am Tatort

Foto: Federico Pestellini / imago images/PanoramiC

Die Zahl der Festgenommenen im Zusammenhang mit der Ermordung eines Lehrers bei Paris steigt auf elf. Laut Informationen der französischen Antiterror-Staatsanwaltschaft ist noch ein Freund des Attentäters in Gewahrsam genommen worden. Die Ermittlungsbehörden werten die Messerattacke vom Freitag als islamistischen Terrorismus. Der Täter war kurz nach der Tat von der Polizei erschossen worden.

Zu den Festgenommenen zählen einerseits Personen aus dem Umfeld des Täters. Die Ermittler haben aber auch Menschen im Visier, die gegen den Lehrer Stimmung gemacht haben. Auch sie sind teilweise in Polizeigewahrsam.Bei dem Anschlagsopfer handelt es sich um einen 47-jährigen Lehrer an einem Collège, einer Schulart zwischen deutscher Grundschule und dem Gymnasium. Der Pädagoge hatte im Unterricht zur Erörterung der Meinungsfreiheit Karikaturen des Propheten Mohammed gezeigt. Daraufhin gab es Beschwerden bei der Schulleitung. Der Vater einer Schülerin hatte zudem im Netz gegen den Lehrer mobilisiert.

Die Staatsanwaltschaft hat bisher aber keinen direkten Zusammenhang zwischen dem Vater und dem Angreifer hergestellt. Dieser wohnte in der rund 90 Kilometer vom Tatort in Éragny entfernten Stadt Évreux.Über den Hintergrund des Angreifers ist ansonsten bislang wenig publik geworden. Der TV-Sender BFM berichtete am Freitagabend, es handele sich um einen 18-Jährigen, der in Moskau geboren sei. Nach der Tat in einem Pariser Vorort postete er in sozialen Netzwerken ein Foto des toten Mannes und schrieb, dass dieser den Propheten Mohammed herabgesetzt habe.Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sprach am Freitag von einer islamistischen Terrorattacke und sagte, der Lehrer sei getötet worden, weil er für Meinungsfreiheit eingetreten sei. Der Angriff habe der gesamten Republik gegolten.

Zweiter Anschlag innerhalb weniger WochenAm Sonntag soll es in ganz Frankreich Solidaritätsbekundungen geben. Unter anderem organisiert das Satiremagazin “Charlie Hebdo” eine Demonstration. Sie soll am Nachmittag auf dem Pariser Place de la République stattfinden. Es ist ein symbolischer Ort – bereits nach der Terrorserie im Januar 2015, zu der auch der Anschlag auf “Charlie Hebdo” zählte, gedachten dort Tausende der Opfer. Seitdem ist der Platz zu einem zentralen Ort der Anteilnahme geworden.

Erst vor einigen Wochen hatte es vor dem ehemaligen Redaktionsgebäude des Satiremagazins “Charlie Hebdo” in Paris eine Messerattacke gegeben. Dabei wurden zwei Menschen verletzt – auch hier gehen die Ermittler von einem Terrorhintergrund aus.

Gleichzeitig läuft in Paris seit Anfang September der Prozess gegen mutmaßliche Helfer der Terrorserie im Januar 2015. Angeklagt sind 14 Menschen. Bei mehreren Anschlägen waren im Januar 2015 insgesamt 17 Menschen getötet worden. Die Anschläge hatten nicht nur die Redaktion von “Charlie Hebdo” getroffen, sondern auch einen koscheren Supermarkt in Paris. Die drei Täter wurden damals von Sicherheitskräften erschossen.
Icon: Der Spiegel

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