Köln Der britische Investor ist fassungslos. „Wir können nicht verstehen, wie eine moderne Nation wie Deutschland es zulassen kann, dass eine Firma so viel Geld von so vielen verschiedenen Menschen auf der ganzen Welt stehlen kann“, schreibt der Mann, der einen fünfstelligen Betrag verloren hat. In Wahrheit zeigt sich das Bild eines Schneeballsystems. Um die Renditeversprechen einzulösen, wurden offensichtlich die Einlagen neuer Anleger genutzt, bis das System zusammenbrach. Ein Großteil des Geldes scheint verloren. Weil die Gruppe nur im Ausland Geld einwarb, fühlten sich deutsche Aufsichtsbehörden nicht zuständig.Jetzt eröffnete das Amtsgericht Bremen das Insolvenzverfahren. Als Insolvenzverwalter hat das Gericht Justus von Buchwaldt eingesetzt. Das ist eine Überraschung, auch wenn von Buchwaldt in dem Fall bereits gutachterlich tätig war. Dennoch ist der Vorgang ungewöhnlich, denn der Jurist löst Gerrit Hölzle ab, der als vorläufiger Insolvenzverwalter schon mitten in der Arbeit steckte.Dem Wechsel ging eine Attacke des ehemaligen Chefs der German Property Group, Charles Smethurst, auf Hölzle voraus. Smethursts Vorwurf: Hölzle habe sich das Verfahren erschlichen. Smethurst war der Meinung, dass für die Insolvenz nicht das Gericht in Bremen, sondern in Hannover zuständig ist. Damit konnte er sich nicht durchsetzen, trotzdem ist Hölzle nun aus dem Spiel. Hölzle bezeichnete die Vorwürfe als „konstruiert“. „Wir hätten das Mandat gerne weiter begleitet und werden alles tun, um einen reibungslosen Übergang sicherzustellen“, sagte Hölzle.Der Verwalterwechsel ändert allerdings nichts an der desolaten Lage der German Property Group, die früher unter den Namen Dolphin Capital oder Dolphin Trust auftrat. Hölzle hatte den Wert der vorhandenen Immobilien auf maximal 150 Millionen Euro geschätzt. Bei Einzahlungen der Investoren von schätzungsweise mehr als einer Milliarde Euro bleibt ein riesiges Loch von mehr als 800 Millionen Euro, das kaum zu füllen sein wird.Die Gläubiger organisieren sichNun formiert sich eine Gruppe wichtiger Gläubigervertreter, die in dem Insolvenzverfahren eine große Rolle spielen dürfte. So hat der Beauftragte von rund 1600 britischen Investoren den Kieler Anwalt Wolfgang Kubicki mandatiert. Der FDP-Politiker und Bundestagsvizepräsident ist vor allem auf strafrechtliche Fragen spezialisiert.

Neben Kubicki wird Peter Mattil als Vertreter verschiedener Anleger vor allem aus dem asiatischen Raum auftreten. Für größere Investoren sind Großkanzleien von Greenberg Traurig und Gleiss Lutz tätig.Der Fall zieht auch strafrechtliche Kreise. Sowohl in London als auch in Hannover laufen Ermittlungen. Die Ermittlungsbehörde aus der niedersächsischen Landeshauptstadt hat drei Beschuldigte auf ihrer Liste, darunter Ex-Firmenchef Charles Smethurst. „Die Ermittlungen laufen in alle Richtungen“, sagte ein Behördensprecher. Insbesondere bestehe der Verdacht des Anlagebetrugs. Untreue, Bankrotthandlungen und Insolvenzverschleppung seien ebenfalls denkbar.Beobachter wundern sich angesichts der Dimension des Falls über das eher zögerliche Vorgehen der Staatsanwaltschaft. So gab es bisher keine Durchsuchungen, und auch der Kreis der Verdächtigen ist vergleichsweise klein. Smethurst, so ist zu hören, wolle sich in Kürze gegenüber der Staatsanwaltschaft erklären. Bisher äußerte sich der Immobilienunternehmer nicht zu den Vorwürfen.Für die forensische Aufarbeitung des Skandals hat der Interimsgeschäftsführer Falk Holtmann die Beratungsfirma EY beauftragt. Das Team von EY ist dabei, ein kaum zu überblickendes Geflecht von rund 200 Firmen zu entwirren, die der Gruppe zuzuordnen sind. Ferner versuchen die Spezialisten, die Zahlungsströme nachzuvollziehen.Die ersten Ergebnissen der Experten sind für die Investoren ernüchternd. Es seien womöglich „verschiedenste Straftatbestände von Buchführungs- und Bilanzdelikten und Steuerstraftaten über Untreuedelikte bis zu Betrugsstraftaten verwirklich worden“, schreibt EY in einem Zwischenbericht. Vor Insolvenzverwalter Justus von Buchwaldt liegt viel Arbeit.Mehr: Im Immobilienskandal tun sich Abgründe auf. Eine Rekonstruktion
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