Nikola One. (Bild: Nikola Motor)

27.09.2020, 22:01 Uhr

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Nikola-Gründer Milton soll das Design für seinen Wasserstoff-E-Truck One bei einem Designer in Kroatien gekauft haben. Damit steht auch die Milliardenklage gegen Tesla auf der Kippe.

Im Frühjahr 2018 hatte Nikola, Hersteller von Wasserstoff- und elektrischen Trucks sowie Pickups, Tesla auf zwei Milliarden US-Dollar verklagt. Der mittlerweile an der Börse notierte Hersteller warf Tesla vor, bei der Entwicklung des Tesla Semi wissentlich Patente von Nikola verletzt zu haben. In einer Gegenklage hatte Tesla am Mittwoch erklärt, dass Nikola das Designkonzept nach der Vorlage eines Designers aus Kroatien entwickelt habe. Jetzt heißt es, Nikola habe das Design für seinen One gekauft.Nix mehr verpassen: Die t3n Newsletter zu deinen Lieblingsthemen! Jetzt anmelden

Nikola One soll auf Modri-Design basieren
Insider sollen der Financial Times versichert haben, dass Tesla-Gründer Trevor Milton das Design für den One im Jahr 2015 von dem Designer Adriano Mudri gekauft haben soll. Mudri arbeitet als Chefdesigner bei dem kroatischen Elektroautobauer Rimac. Der Deal soll im Jahr 2015 zustande gekommen sein – nach einem Besuch Miltons bei Rimac. In der Tesla-Gegenklage hatte der kalifornische Autobauer zwar den Zusammenhang zwischen einem Modri-Entwurf und dem Design des Nikola One gezogen. Von einem Deal mit Modri war derweil nicht die Rede.
Nikola hatte dagegen in seiner Klage gegen Tesla vor zweieinhalb Jahren dargelegt, dass Milton schon 2013 mit dem Design des Nikola One begonnen habe. Später habe der 2015 eingestellte Nikola-Chefdesigner Steve Jennes den Truck – gemeinsam mit Milton – weiterentwickelt. Insgesamt soll Milton für die Entwicklung des Trucks „einige Millionen Dollar“ ausgegeben haben, wie Ars Technica schreibt.
Tesla zufolge soll Modri wiederum das zur Debatte stehende Grundkonzept des One als „Road Runner“ schon 2010 bei einem Designwettbewerb eingereicht haben. Das Design sei im selben Jahr bei der US-Automesse NAIAS in Detroit zu sehen gewesen sein. Im Jahr 2015 soll Nikola-Gründer Milton Modri Computerzeichnungen und ein virtuelles 3D-Modell für mehrere Tausend Dollar abgekauft haben. Und: Den oben erwähnten Insidern zufolge soll der interne Name für das One-Projekt bei Nikola Road Runner geheißen haben.
Nikola widerspricht Tesla-Vorwürfen
Nikola hat derweil zugegeben, eine Lizenz für Adriano Mudris Entwürfe erworben zu haben, widersprach der Tesla-Darstellung aber ansonsten. Der One sei von Nikola entworfen und patentiert worden. Es sei üblich, während der Fahrzeugentwicklung Entwürfe von Drittanbietern zu lizenzieren. Mudri sei aber nicht Teil des Designteams. Seine Entwürfe würden sich zudem „wesentlich“ von denen von Nikola entscheiden. Problematisch könnte aber laut Beobachtern sein, dass Tesla den Namen Modri nicht in den Patentanträgen erwähnt hat.

Nikola steht schon seit mehreren Tagen schwer unter Druck. Nach dem spektakulären Einstieg des US-Autoriesen General Motors (GM) bei Nikola hatte der als Shortseller auftretende Investor Hindenburg Research schwere Vorwürfe gegen den Tesla-Herausforderer erhoben. Diese habe Nikola-Gründer und damals noch Chairman Milton laut Hindenburg Research nur unzureichend widerlegen können. Vor einer Woche hatte Trevor Milton seinen Chairman-Posten geräumt.
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